Die Psychologie ist ein Fach, das immer schöne Schlagzeilen liefert.

"Schokolade macht glücklich". "Sex im Alter ist gesund". Und dann folgen immer die Ergebnisse einer Umfrage. Umfragen sind eine Wissenschaft für sich.

Der höchstdotierte deutsche Preis für den psychologischen Nachwuchs, der Georg-Sieber-Preis, wurde jetzt für die "Konstruktion einer Ratingskala mit Smilies als symbolische Marken" verliehen. Smilies sehen so aus: J.

Beziehungsweise: L. Fertig ist ein Bewertungssystem. Leider noch keines, das der objektiven Wissenschaft genügt. Ruth Jäger von der TU Berlin fand, unter anderem durch Befragung aller Mitglieder ihres Kirchenchores, eine empiriegestützte Methode, fünf verschiedene Smilies so zu gestalten, dass sie von Betrachtern als "äquidistant und eindimensional" wahrgenommen werden.

Anders ausgedrückt: J = K = L.

Die messtheoretischen Grundlagen dieser Arbeit sind komplex, praktische Nutzanwendungen noch gar nicht zu überblicken, weshalb Ruth Jäger darauf hinweist, dass alle Rechte inzwischen von ihrem Münchner Patentanwalt vertreten werden. Wir finden das in gewisser Weise L. Andererseits: Es gibt so viele Ratings, die ungeschützt veröffentlicht werden. "Dänen zufriedener als Deutsche". "Frauen deprimierter als Männer". Das liest man alle Tage und glaubt es unbesehen. Dabei glauben das nicht mal die Fachleute. Die Psychologin Linda Bartoshuk von der Universität Yale hat mehr als fünf Dutzend Arbeiten aus der Zeitschrift Physiology and Behavior geprüft.

Ergebnis: Ein Viertel davon gehört auf den Müll. Weil die Autoren Äpfel mit Birnen vergleichen. Unterschiedliche Gruppen von Menschen empfinden dasselbe unterschiedlich. Was für den einen noch süß ist, ist für den anderen schon fad, und wenn ein Brüsseler EU-Beamter vor dem Mittagessen verkündet, er sei hungrig, meint er etwas anderes als der Sumo-Ringer beim Frühstück. Nebenbei erklärt sich so, warum zwei Drittel aller Menschen behaupten, sie seien glücklich, unabhängig davon, ob sie im Villenviertel auf Long Island oder im Slum von Kalkutta leben. Ratingskalen sind schön und gut. Aber stimmen müssen sie nicht. Das heißt: Don't L, be J.