Vor einem Jahr war's, dass der hessische Ministerpräsident Roland Koch im Zusammenhang div. Parteispendengaunereien bei anderen und sogar sich selbst brutalstmögliche Aufklärung für unabdingbar hielt - und dafür wiederum Kritik und sogar Spott erntete. Nun kann man von einem Wiesbadener Regierungschef nicht gut verlangen, dass er evtl. wüsste, es könnte das von ihm in der Not und Hektik ergriffene Wort brutal etwas mit brutto und also hässlich zu tun haben, womit ihm, Koch, also ein hässlichstmöglicher Aufklärungsprozess vorgeschwebt hätte - und also in einer Art Freudscher Verquatscher etwas im Sinne der Hegelschen List der Vernunft und der Dialektik gerade der brutalen Aufklärung etwas durchaus Richtiges

noch kann man von ihm einen korrekten Superlativ erhoffen. Aber jedenfalls wäre ja brutalmöglichst genauso falsch und brutalstmöglichst sogar noch etwas danebener, und zurückweisen muss man deshalb den hässlichen, ja zynisch-menschenverachtenden Hohn eines Satireblatts, Koch hätte statt Aufklärung einen brutalstmöglichen Visagisten viel nötiger - denn immerhin zeigte Koch zuletzt Reue, fast Einsicht: Ich habe für meinen Fehler brutalstmögliche Prügel bezogen, teilte er voll Selbstironie Bild mit - und sodann dem Parlament zum Finanzausgleich S erien von Sätzen wie: Wir haben alle versucht, aus den Gräben herauszukommen - in der Summe ist Einigung besser als Krieg. Und das ist im allgemeinen Verwahrlosungssound der Zeit (Max Goldt) doch schon mal wieder ein Fortschritt. Was Wunder, dass R. Koch schon ein paar Tage darauf erstmals als Kanzlerkandidat ins Spiel gebracht wurde.