Kanzler, was sollen wir essen? hat eine Boulevard-Zeitung kürzlich getitelt.

Dem Schrecken über den BSE-Skandal liegt die Angst vor der Zerstörung der Kultur durch den Fortschritt der Naturwissenschaften zugrunde. Plötzlich wird das Paradox wieder sichtbar, das schon vor 70 Jahren Sigmund Freud formuliert: "Der Kulturmensch hat für ein Stück Glücksmöglichkeit ein Stück Sicherheit eingetauscht." Das Unbehagen der Kultur. Und andere kulturtheoretische Schriften (FTV 10453

Fischer Verlag, Frankfurt a. M.

2000

192 S., 16,90 DM). Und waren es dann nicht Horkheimer und Adorno, die das passende Stichwort von der Dialektik der Aufklärung geliefert haben, an das sich kaum noch jemand erinnert? Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente (FTV 7404 , Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2000

288 S., 19,90 DM). Ein intelligentes Buch, das 1994 zum ersten Mal erschien, hat, im Blick auf die Kulturgeschichte des Essens, auf dieses fatale Spiel zwischen naturwissenschaftlichem Fortschrittsoptimismus und kultureller Hilflosigkeit aufmerksam gemacht: Udo Pollmer/Andrea Fock/Ulrike Gonder/Karin Haug: Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung (KiWi 630, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001

368 S., 26,90 DM). Und ein gerade erschienenes Buch zeigt, freilich von hoher Warte, wie sich diese Dysfunktionalität zwischen biologischer und kultureller Evolution in der Zivilisation auswirkt: Friedrich A. Kittler: Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft (Fink Verlag, München 2000