Stirbt die deutsche Sprache aus, noch ehe die Deutschen selber, dank ihrer beharrlichen Weigerung, Nachwuchs zu zeugen, dem Kreis der Völkerschaften adieu sagen werden? Zerfällt das Deutsche sozusagen bei lebendigem Leibe, zersetzt von den Anglizismen und Amerikanismen, die unseren Alltagsjargon, die Fernsehprosa, die Geschäftssprache beherrschen? Sprachen wandeln sich, vor allem unter der Dominanz der Lingua franca, die bei uns als die Sprache der Sieger und ihrer Zivilisation Einzug hielt.

Nun legten sich Berliner Staatsleute der unterschiedlichsten politischen Glaubensbekenntnisse ins Zeug, um der Überfremdung zu wehren, allen voran der Innensenator, Eckart Werthebach, der uns bisher nicht weiter aufgefallen war.

Er möchte ein Reinheitsgebot für die deutsche Sprache, jenem des Gerstensaftes entsprechend, gesetzlich verankert wissen. Natürlich eilte ihm der bayerische Kultusminister Zehetmair zu Hilfe, aber auch der PDS-Genosse Porsch, der biedere Freidemokrat Gerhard, zu unserem Erstaunen auch die Polittheologin Antje Vollmer und Bundestagspräsident Thierse in Person.

Wenn diese Allparteienkoalition die Volksvertreter und das Korps der Beamten dazu anhielte, sich eines besseren Deutschen zu befleißigen, schrien wir lauthals "Bravo, bravissimo!", obwohl auch das nicht gerade Deutsch ist. Nur: Gutes Deutsch ist keineswegs ein Deutsch ohne Fremdwörter. Ohne die gäbe es unsere Sprache nicht, wie sie leibt und lebt. Einst waren es die römischen Legionäre und nach ihnen die Mönche, die den armen Germanen das sperrige Latein in die blonden Köpfe walkten. Dann eroberte das Französische die Konversation der Gebildeten, und es drang weit in die Alltagssprache des Volkes ein. Jene Germanisierungsapostel aber, die von der bismarckisch-wilhelminischen Epoche an die längst integrierten Fremdwörter durch ein Deutsch aus der Retorte zu ersetzen versuchten, richteten mehr Schaden an als die Sklaven der auswärtigen Idiome.

Manche Erfindung der alldeutschen Sprachturner spukt noch durch die Behördensprache. Nur mit dem "Gesichtserker", der uns von der lateinischen Nase befreien sollte, sind die Zeloten gescheitert. Auch in unseren Tagen scheuen die Eindeutscher keine Lächerlichkeit: Das Makeup wird zum "Gesichtsputz" und der Cheerleader zum "Jubelmädchen". Was für ein Krampf.

Die Eindeutscher sind die eigentlichen Sprachverkrüppler. Sie werden ihre Narrenschlacht verlieren wie die französischen Vorbilder. Bundestagspräsident Thierse wird seine nächste Rede kaum in der Sprache Walthers von der Vogelweide halten.