Hummer, Gänseleber und getrüffelte Perlhühner - nicht gerade Hausmannskost, was im Waldhotel Sonnora auf den Tisch kommt. Und doch unverkennbar deutsch und erstaunlich konservativ. Da scharrt der bronzene Hirsch vor dem Haus zustimmend mit den Hufen ...

Abgesehen von Paris, wo die Kochkunst ihr Zentrum hat, gedeiht sie prächtig vor allem in den Provinzen. Ob in Italien, Frankreich, England oder bei uns, die besten Restaurants findet man auf dem Lande in Kleinstädten oder sogar versteckt in Dörfern. Nicht weil Landbewohner gern verfeinert speisen, sondern weil Städter gern mit dem Auto anreisen. Dabei werden sie von den wichtigsten Restaurantführern geleitet.

Vier Wörter wie ein Ritterschlag: Ist eine Reise wert. Wem der Guide Michelin dies bescheinigt, der ist einer der besten Köche der Welt

zumindest gehört sein Restaurant zum kleinen Club der mit drei Sternen ausgezeichneten Adressen und ist damit den Gourmets in aller Welt bekannt. Nicht nur einen Umweg lohnt dort das Essen (wie es im Wappenspruch der Zweisternerestaurants heißt), nein, es ist eine Reise wert. Wie lang sie sein darf, und ob ein 20-Kilometer-Stau auf Deutschlands Flickenbeton inbegriffen ist, das sagt er nicht, der rote Führer. Ist auch belanglos. Düsseldorf, Köln, die Schwarzwaldhochstraße, die kennt man, das lässt sich berechnen.

Aber Dreis? Wo zum Kuckuck liegt Dreis?

Dort nämlich befindet sich Deutschlands vierte Edelküche mit drei Sternen.

Dreis liegt bei Wittlich, und das liegt an der Mosel, und es könnte auch Pellworm sein oder Posemuckel, die Kaffs kennt auch keiner. Außerdem liegt das Waldhotel Sonnora vier Kilometer südwestlich von Dreis im Wald, wo es nur der alte Oberförster findet, wenn er sein entlaufenes Eichhörnchen sucht.