Sir Robert May ist eine Ausnahmeerscheinung unter Wissenschaftlern. Der gebürtige Australier hat Physik und Mathematik an den Universitäten von Sydney und Harvard studiert, kam über die Chaosforschung zur Biologie und hat viel beachtete Arbeiten zur Komplexität von Ökosystemen geliefert. Er wurde 1995 dann Chief Scientific Advisor der britischen Regierung. Als Vorsitzender des britischen Büros für Wissenschaft und Technik (Office of Science and Technology) unterstand May zwar formal dem Wirtschaftsministerium (in Großbritannien gibt es kein eigenes Forschungsministerium), war in wissenschaftlichen Fragen jedoch direkt für die Beratung des Premierministers zuständig.

Als Tony Blair und Bill Clinton im März vergangenen Jahres jene aufsehenerregende Erklärung zum Humangenom veröffentlichten, in der sie von den Genforschern weltweit die freie Veröffentlichung ihrer Daten forderten, war Sir Robert die treibende Kraft im Hintergrund - die Aktien von Craig Venters Firma Celera verloren damals schlagartig 25 Prozent an Wert. Der drahtige May, den neben seinem scharfen Intellekt ein feiner Humor auszeichnet, hatte in zähen Verhandlungen die britischen Maßstäbe gegenüber dem amerikanischen anything goes durchgeboxt.

Seit Dezember vergangenen Jahres ist Sir Robert May Präsident der ehrwürdigen, 1660 gegründeten Royal Society. Die britische Nationalakademie der Wissenschaften hat 1300 in- und ausländische Mitglieder. Sie repräsentiert die Interessen der Wissenschaft und fördert den Austausch mit Politik, Medien und Gesellschaft.

Zu den Aktivitäten der Akademie gehört unter anderem ein Förderprogramm für exzellente Nachwuchsforscher. Über 350 der klügsten jungen Köpfe werden 10 Jahre lang unterstützt und können dabei forschen, was und wo sie wollen.

Außerdem tritt die Akademie als Autorität in der Politikberatung auf. Seit einiger Zeit bemüht sich die Royal Society, den Belangen der Öffentlichkeit in wissenschaftlichen Fragen mehr Gewicht zu verleihen.