Der Veranstaltungsraum im Morada-Hotel in Kühlungsborn ist voll besetzt.

Gut 350 Senioren lauschen den Klängen einer Panflöte. Viele summen leise mit, als der Flötenspieler La Paloma anstimmt. Ein Unterhaltungsabend des Skan-Clubs 60plus, inbegriffen im Leistungspaket von 498 Mark, das Busanreise und Halbpension für eine Woche umfasst.

Die gut 100 000 Mitglieder des Skan-Clubs haben offensichtlich keine Probleme mit dem Begriff Senioren: Senioren-Reisen steht dick und fett auf dem Reiseprospekt. Das ist ungewöhnlich. Verbraucherbefragungen der TUI haben nämlich ergeben, dass 80 Prozent der Senioren nicht in ein Seniorenhotel wollen. Und fragt man in einem Reisebüro nach Seniorenreisen, so wird man kaum derart firmierte Prospekte bekommen: fit & aktiv heißen zum Beispiel die Angebote von Hapag-Lloyd.

Senioren sehen sich nicht als solche und mögen folglich keine Seniorenreisen.

Dennoch werden sie im Tourismusgeschäft zu einer immer wichtigeren Zielgruppe. Sie sind der Wachstumsmotor, sagt Marktforscher Martin Lohmann.

Zahlen belegen diese Aussage: Unternahmen 1972 erst 38 Prozent der über 60-Jährigen eine Urlaubsreise, so waren es 1999 schon 67 Prozent, die steigende Zahl der Mehrfachreisenden ist dabei gar nicht berücksichtigt. Die Bevölkerungsstatistik diktiert den Trend: Mehr als ein Drittel aller Urlaubsreisen wird in Zukunft von den über 60-Jährigen unternommen werden.

Denn der Anteil der Senioren wächst. Von heute etwa 25 Prozent wird er bis zum Jahre 2025 auf 32 Prozent ansteigen.