Späte Freude: "Zum Glück haben wir den Krieg verloren, denn seit dem Verlust der Falklandinseln 1982 haben wir Argentinier den Handel mit England abgebrochen und auch keine wahnsinnigen Rinder eingeführt." So kommentiert Victor Tonelli, umgeben von Fotos preisgekrönter Zuchtbullen, das BSE-Drama.

Tonelli war bis 1999 Präsident des Exportverbandes der Argentinischen Fleischindustrie (AIAC)

heute leitet er den Verband der Rinderzüchter. "Nach dieser Bombe in Europas Fleischindustrie wird nichts mehr so sein wie vorher.

Die von der Politik geförderte Massenproduktion hat ebenso versagt wie die landwirtschaftlichen Subventionen der Europäischen Union."

Vor wenigen Wochen konnte Argentinien nur durch einen Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds eine wirtschaftliche Katastrophe abwenden. Doch dieses schwächelnde Land ist einer der größten Rindfleischproduzenten der Welt, und seine Rindfleischzüchter sind selbstbewusster denn je. Gespannt schauen sie auf Zahlen und Verordnungen aus Straßburg und Brüssel: Können sie von der großen Krise am anderen Ende der Welt profitieren? Noch werden sie zwar von einer EU-Importquote und hohen Zöllen behindert, aber das Pampaland könnte der große Gewinner werden. Zeigt Argentinien der Welt, wie man wiederkäuende Vegetarier großzieht und was ein saftiges, gesundes Steak ist?

Erst einmal wurden auch die südamerikanischen Bauern in Mitleidenschaft gezogen. Aus Angst vor BSE mieden die Verbraucher selbst argentinisches Rindfleisch der Spitzenklasse Hilton Cuts. Der Preis pro Tonne für europäische Kühlhäuser fiel von 8000 auf 4200 Dollar. Innerhalb der EU importiert Deutschland rund 85 Prozent des einfuhrquotierten Hilton Cuts. Die deutschen Verbraucher entscheiden somit über den Fleischpreis

Großabnehmer wie die Steakhausketten Maredo oder Blockhaus geben die Nachfrage weiter.