Die Halbwertszeit der Mär, dass Nato-Uran den Kosovo verstrahlt habe, war knapp bemessen. Doch ohne Schamfrist kurbelten die Alarmisten weiter an ihren Sirenen: Plutonium!

Jetzt fanden sich, nachdem die Messgeräte auf höchste Empfindlichkeit eingestellt waren, in den Geschossen tatsächlich Spuren von Plutonium. Sie erhöhen die Radioaktivität des Materials - um rund 10 Becquerel pro Kilo. Zum Vergleich: Lebensmittel haben eine natürliche Radioaktivität von durchschnittlich 40 Becquerel pro Kilo. Aber das sind eben bloß Zahlen, während die Angst ein Gefühl ist, also etwas Erhabenes. Es gilt die Parole: Meine Angst gehört mir! Ich lasse sie mir doch nicht von Fakten nehmen.

Wie im Fall der Nukleartransporte von Hanau nach La Hague. Sie waren weder geheim noch sonst wie ungewöhnlich. Dennoch wurde Umweltminister Jürgen Trittin kritisiert, weil er die Öffentlichkeit nicht eindrücklich genug an sie erinnert habe. Wer sich bloß immer solche Forderungen ausdenkt? So gut wie jeden Tag wird strahlendes Material durchs Land bewegt, darunter weitaus aktiveres als die eher harmlosen Pellets aus Hanau, zum Beispiel die Strahlungsquellen der Radiomedizin. Soll Trittin im Ernst jede dieser Fuhren zum öffentlichen Ereignis machen?

Aber solches Fragen erweist Ihrer Majestät, der Angst, wohl zu wenig Respekt.

GvR