Dieses Buch ist nicht deshalb bemerkenswert, weil es für die Idee der Bürgergesellschaft plädiert. Das tun inzwischen andere auch, Bundeskanzler wie Bürgermeister. Alois Glücks Buch fällt aus anderen Gründen aus dem üblichen Rahmen. Es begreift Bürgergesellschaft nicht als eine Art Folklore mit Vereinen, Feuerwehr und Heimatgruppen, so wichtig ihm diese sind

auch nicht als Ausrede für den Rückzug des Staates und der Kommunen in einer Zeit, in der die finanziellen Quellen nicht mehr so sprudeln wie früher. Glück entwirft vielmehr - und das ist noch immer die Ausnahme - eine Perspektive für die Reform des Föderalismus in Deutschland und der Europäischen Union, für eine "Zeitenwende in der Kommunalpolitik" und nicht zuletzt für eine Reform des Bildungswesens und des Sozialstaates, die über die gängigen Klischees (weniger Staat, mehr Markt) hinausweist.

Anders als die meisten anderen, die über Bürgergesellschaft reden, spricht Glück auch ganz offen die Voraussetzungen und die zu erwartenden Widerstände an

sie "werden in dem Maße wachsen, wie die konkrete Umsetzung bevorsteht".

Dieses Konzept mutet nämlich nicht nur den Bürgern einiges zu (sie müssen mehr Verantwortung übernehmen), sondern auch den Politikern und den organisierten Interessen: Sie müssen Macht abgeben.

Der Autor ist Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag und der Grundsatzkommission der CSU. Sein Buch ist ein wichtiger Beitrag zur politischen Debatte der nächsten Jahre. Glück sieht die zentrale Ursache für die Niederlage der Union bei der vergangenen Bundestagswahl in ihrem Unvermögen, konzeptionell und kommunikativ eine überzeugende Balance von Modernität und Gerechtigkeit, Kontinuität und Reformen zu formulieren.

Deshalb verwendet er viele Argumente darauf, zu zeigen, wie "mit der aktiven Bürgergesellschaft Deutschland leistungsfähiger und menschlicher" werden, also eine Win-win-Situation entstehen kann nicht nur zwischen Bürger und Staat, sondern auch zwischen dem Wirtschaftsstandort und einem sozial angenehmen Gemeinwesen.