Eine europäische Außenpolitik? Wie breit die Kluft zwischen Ambition und Aufbruch noch ist, zeigt der Umgang der EU-15 mit dem jüngsten Irak-Bombardement. Die Briten flogen mit, die Deutschen gingen in Deckung, die Franzosen haben Washington mit Worten beschossen.

Amerika und Frankreich haben von jeher um die Dominanz in Europa gerungen - sozusagen im Familienstreit. Nun aber nimmt ein anderes Muster Konturen an.

Immer häufiger gesellt sich Frankreich an die Seite von Russland und China, den alten und neuen Rivalen Amerikas. Alle drei haben das Bombardement wütenden Wortes gegeißelt. Alle drei bemühen sich, in wechselnden Kombinationen, die USA zu konterkarieren - sei's in Nahost oder bei NMD, der "Nationalen Raketenabwehr". Bei Frankreich spielt zudem die Langfristoption mit, die sehr bescheiden angelegte "Europäische Verteidigungsidentität" in ein rein europäisches Bündnis umzuschmieden, das die Nato ersetzen könnte.

Die Logik ist klar

es ist die Logik der Kabinettspolitik des 18. und 19.

Jahrhunderts. Hier steht die "Hypermacht"

dort rotten sich die Kleineren zusammen, um die "Nr. 1" einzuengen und einzudämmen. Das ist ein uraltes Muster der Weltpolitik. Doch wirft diese ehrwürdige Tradition am Anfang des 21. Jahrhunderts gleich drei strategische Fragen auf.