Harro Albrecht zieht einen Bogen von den schrecklichen Morden des Arztes Shipman in Großbritannien zu den nach seiner Ansicht unzureichenden Todesursachenstatistiken in Deutschland. Dabei würden Daten im Statistischen Bundesamt nur "gebunkert", während mit differenzierenden Analysen beispielsweise "Tod durch Vernachlässigung" aufgedeckt werden könnte.

Dieser höchst fragwürdigen Verknüpfung muss mit allem Nachdruck widersprochen werden, zumal sie die Auswertungsmöglichkeiten der Todesursachenstatistik verkennt:

Zu den Fundamenten der amtlichen Statistik gehört das Statistikgeheimnis.

Statistik ist eben kein Kontrollinstrument etwa gegenüber Ärzten und Pflegeheimen und erst recht keine Hilfspolizistin zur Aufklärung von Verbrechen. Statistik soll vielmehr Lebenssachverhalte sammeln und in anonymisierter Form (!) zur Information der Bürger, der Politik und der Wirtschaft veröffentlichen. Die von Albrecht befürworteten Datensammlungen, sodass jeder Arztbesuch, Krankenhaus- oder Heimaufenthalt mit Zeitpunkt, Namen ("Wann kam welcher Doktor?"), Diagnose und weiterem Krankheitsverlauf gemeldet und ausgewertet werden könnte, mag man für hilfreich halten oder im Interesse des Datenschutzes ablehnen. Die amtliche Statistik in Deutschland wird dazu nicht zu gewinnen sein.

Johann Hahlen Präsident des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden