Auskunft gibt die neueste Ausgabe meines Leib- und Magenschmerzenblatts "Der deutsche Weinbau". Als Lehrstück für die deutschen Winzer wird dort beschrieben, wie down under die Exportweine gemacht werden, und zwar in der Buronga Hill Winery (Victoria). Dort wird eine Produktlinie hergestellt, die als "Jacob's Creek" auch hierzulande vertrieben wird: Die Firma Orlando, als deren Erzeugnis die Weine vom "Jacob's Creek" verkauft werden, schließt mit Buronga Hill einen Vertrag, der exakt festlegt, wie das Getränk gefertigt werden soll. Beauftragte von Orlando überwachen den Prozess, von der Rebe bis zur Flasche und "selbstverständlich ist das Qualitätsmanagement-System nach ISO 9001 dokumentiert und zertifiziert." Na, lesen wir weiter: Schwere Sattelschlepper transportierten die Trauben von allen möglichen Rebflächen bis zu 200 Kilometer weit bis zum Kellereibetrieb, den wir uns so romantisch wie eine Raffinerie vorstellen müssen: "Über 250 Tanks mit je 55.000 bis 275.000 Litern Fassungsvermögen" wollen hier mit Wein gefüllt werden, heißt es im "Deutschen Weinbau" bewundernd. Doch bis der Wein entsteht, muss noch einiges geschehen.

Die Trauben werden entstielt ("entrappt") und in einen Tank gestopft - laut Anweisung von Orlando kommt schon mal "Pektin 3XL" hinein. Sobald der Traubenschmodder in die Presse weitergeleitet wurde, wird der spontan austretende Saft ("Vorlauf") aufgefangen und der Pressmost herbeigequetscht. Den Vorlauf behandeln die Weinmacher mit Schwefeldioxid und Ascorbinsäure, er wird geklärt und durch Filter gejagt, um anschließend mit dem vermischt zu werden, was aus dem Pressmost wurde: Der wiederum mußte oxidieren, bis er schokoladenbraune Farbe annahm, wonach er ebenfalls filtriert sowie mit Gelatine geschönt wurde.

So, nun hat man den Most, die Gärung kann beginnen: Spezielle, extra gezüchtete Hefen werden zugegeben, außerdem ein Phosphatprodukt. Ein Teil des Mosts wird in Stahltanks vergoren, in die Holzbretter gehängt wurden - damit der Wein den beliebten Holzfassgeschmack kriegt. Wird Schwefelwasserstoff festgestellt (der Geruch nach faulen Eiern), hält der Weinmacher mit Kupfersulfat dagegen, des weiteren wird noch nach Kräften gefiltert, mehrmals, und mit Weinsäure hilft er auch noch etwas nach.

Ist es nicht ein Wunder, das sowas nach Wein schmeckt und sogar halbwegs trinkbar ist?

Bleibt uns zu hoffen, dass deutsche Winzer diesen Text in ihrem Fachblatt als abschreckendes und nicht als vorbildliches Beispiel auffassen. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass es selbstverständlich wunderbare, feine Weine aus Australien gibt, die ohne dieses technotische, ISO-mäßige Qualitätsterrorregime gelingen.

Auf die Gesundheit!
Ihr Gero von Randow

Anregungen und Kritik wie immer gerne an randow@zeit.de