Allen voran der Seña, ein spektakulärer Rotwein, von dem ich kürzlich eine Flasche des 1998er getrunken habe. Er präsentiert sich tiefdunkel, und nach dem Dekantieren entfaltet der Wein betörenden Duft. Reich an Extrakt zeigt er zunächst Aromen von Brotkrume, Gewürznelken, Zimt und Sezchuanpfeffer, wird später dann weicher, mit Schokoladen- und Kirschtönen. Ein opulenter Wein, trotz seiner Jugend zugänglich - doch ob er auch lagerfähig ist? Ich würde es nicht darauf ankommen lassen. Immerhin ist der 98er - wie der 96er - wieder sehr kraftvoll, nachdem der 97er etwas zurückhaltender ausgefallen war.

Seña ist eine Gemeinschaftsproduktion: Der chilenische Winzer Eduardo Chadwick (dessen Don Maximiano vielleicht das beste ist, was Chile hervorbringt) und der amerikanische Weinstar Robert Mondavi produzieren diese Cuvée aus 90 Prozent Cabernet Sauvignon, fünf Prozent Carmenère und erstmals auch Merlot. Die Trauben kommen von verschiedenen Weinbergen Chadwicks. Und nun der problematische Aspekt: Die Flasche kostet über 170 Mark. Das ist nicht nur absolut, sondern auch relativ viel Geld. Der Wein ist es aber wert, keine Frage.

Ansonsten haben mir die folgenden neuen Weine besonders gut gefallen:

Dem Rheingau gehört meine Weinliebe. Erfreulich, dass Schloss Reinhartshausen, Schloss Schönborn, Schloss Vollrads ( back on the block ) und, wie zu erwarten, Robert Weil sehr schöne 1999er zeigen konnten. Am besten gefielen mir
1999 Schloss Vollrads Riesling Eiswein (sanfte Süße, mit Toffee)
1999 Robert Weil, Kiedrich Gräfenberg Riesling Auslese Goldkapsel (kräftiger als der 98er, Mango, etwas Kakaobutter)

Sehr gelungen waren wieder die mineralischen Rieslinge von Heyl zu Herrnsheim ( www.heyl-zu-herrnsheim ). Gutschef Peter von Weymarn, wie Bernhard Breuer eine der weitblickenden Winzerpersönlichkeiten Deutschlands, ist mittlerweile im Ruhestand, aber seine Prinzipien des ökologischen Anbaus (beeinflusst von Rudolf Steiner) werden nach wie vor eingehalten. Das Fürstlich Castell'sche Domänenamt (Franken, www.castell.de ) glänzte vor allem mit seinen Silvanern (jetzt für die Spargelzeit vorsorgen!), und aus der Pfalz kamen grandiose Süßweine, nämlich von Winfried Frey ( www.frey-soehne.de ), namentlich die 99er Chardonnay-Beerenauslese (Schokoladentöne) und der 99er Riesling Eiswwein (pure Sahne). Ansonsten wurde die Pfalz bestens vertreten durch eines meiner Lieblings-Weingüter: Bürklin-Wolf. Diesmal gab es eine kleine Vertikalprobe des Ruppertsberger Gaisböhl Edition G.C. Monopol aus den Jahren 1995 bis 1999 - typisch die Kraft und Mineralität dieser Rieslinge. Monate zuvor hatte ich auch erfreuliche Begegnungen mit Weinen der Lagen Forst Ungeheuer und vor allem Forst Kirchenstück ( www.buerklin-wolf.de ).

Aus Württemberg brachte Gert Aldinger seinen 1999er Fellbach Lemberger Spätburgunder trocken AAA mit, ein eleganter Pinot Noir und bestimmt ein Langstreckenläufer, trinkbar wohl noch in zehn bis 15 Jahren. Der großartigste Pinot Noir Deutschlands war gleichfalls vertreten: eine Fassprobe des 1999 Ihringen Winklerberg *** von Heger ( www.heger-weine.de ): ein Superjahrgang, und der Schmelz dieses Weines verspricht alles. Einen Riesling Eiswein aus Baden gab es auch, und zwar den 99er Durbach Plauelrein von Laible (Melone, Mango, feine Säure).

Umwerfende Süßweine kamen aus Österreich. Die Liste würde zu lang, zählte ich alle dieser schönen Weine auf, aber man achte unbedingt auf die Namen Kracher, Münzenrieder, Nittnaus und, das ist die Neuentdeckung für mich: Weinrieder ( www.weinrieder.at ). Letzterer präsentierte vor allem die grandiosen
1999 Birthal Chardonnay Eiswein (Erdbeeren mit Sahne)
1999 Birthal Weissburgunder Eiswein (opulent, Gewürztöne)
1999 Schneiderberg Riesling Eiswein (Kuchen)
1999 Hohenleiten Chardonnay Trockenbeerenauslese (Süße - und Klebstoff)
1999 Chardonnay Trockenbeerenauslese kl. Fass (Schoko, Kuchen, Gewürz - der beste!).
Und während Süßweine dieser Qualität sonst zwischen 100 und 200 Mark kosten, nimmt Weinrieder weniger als 50.