110 Room-Maids arbeiten im Bayerischen Hof, einem Münchner Luxushotel mit 396 Zimmern. Heute bin ich eins davon. Ich möchte wissen, was alles passieren muss, damit sich der nächste Gast ins gemachte Bett legen kann. Wie es sich anfühlt, Unbekannten hinterherzuputzen, zu wischen, zu räumen, ihre Betten zu beziehen, ihren Müll zu beseitigen. Mit einem Wort - es wieder nett zu machen. Schnell, gründlich, korrekt müssen sie arbeiten, die Zimmermädchen. Und fehlerlos. Denn hier gilt: Ein Haar vom Vorgänger, das dem Gast ins Auge fällt, ist genau eins zu viel. Was daheim gerade noch akzeptiert wird, löst im Hotelzimmer größten Widerwillen aus. Mehr noch: Misstrauen. Fragen der Hygiene drängen sich auf: Wer hat auf meinem Kopfkissen geschlafen? Wer ist barfuß über diesen Teppich gegangen? Wer hat mein Zahnputzglas benutzt? Welcher Raucher hat in diesen Telefonhörer gehaucht?

Um es so weit nicht kommen zu lassen, gibt es Hilde. Hilde Siglmüller ist meine Kollegin heute. Seit vier Jahren arbeitet sie im Bayerischen Hof, und sie weiß, wie es geht. Ich weiß überhaupt nicht, wie es geht. Denn die Arbeit, die ich zu Hause ratz, fatz erledige, unterscheidet sich von der Zimmerreinigung in diesem Haus wie ein Napfkuchen von einer Sachertorte.

Erster Merksatz: Alles hat seine Ordnung - und sein System. Zimmer 741. Erst klopfen. Nie vergessen! Auch wenn die Computerliste "DI" sagt, "dirty", könnte der Gast noch da sein. Schild draußen aufhängen: "Maid in room". Dann: Abfall hinausbringen. Niemals! abgefressene Tabletts vom Room-Service auf dem Flur deponieren. Solche banalen Hinterlassenschaften gehören ins Office, einen Abstellraum für Gerät und Nachschub aller Art, der auf jedem Stockwerk zu finden ist. Für den Rückweg: Bett- und Badwäsche mitnehmen, und die Reinigungsmittel vom Wagen.

"Halt." Schon hat Hilde meinen nächsten Fehler entdeckt. Abgezogene Bettwäsche gehört niemals auf den Fußboden, wie sieht das aus? Und als ich sie wegbringe, habe ich die Zimmertür offen stehen lassen ... Das Doppelbettlaken, teuflisch groß. Kopfende Seite einschlagen, Fußende einschlagen, sodass unten eine exakte senkrechte Falte entsteht. Meine sieht schief aus - Hilde lacht. Nun die andere Seite. Und jetzt straff ziehen. Fest, fest, fest! Wie ein Schneefeld in der Arktis muss es daliegen, faltenlos. Jetzt der Bettbezug. Die Zipfel der Bettdecke fassen, nach unten schütteln ... Nein, Hilde ist nicht zufrieden, weil die Ecken nicht sauber ausgestülpt sind. Nach der Korrektur sieht der Bezug schon etwas mitgenommen aus. Unmöglich. Kopfkissen müssen prall sein, wie gerade aufgepumpt. Mit der Öffnung nach oben ans Kopfende legen, kleines Kopfkissen dito. Halt - der Schriftzug nach unten. Mein Bezug zeigt aber nach innen ... Noch mal.

Dritter Merksatz: Arbeite präzise die Checkliste durch, es darf an nichts fehlen. Beim Staubwischen nebenbei kontrollieren: 14 Bügel vollständig? Wäscheliste da? Beutel für Reinigung, für Wäscherei vorhanden, Listen dazu? Zimmersafe leer und sauber? Fernseher abwischen, Programm hinlegen, Fernbedienung und Telefonhörer desgleichen. In die Hocke, auf die Knie, kriechen, strecken, lang machen. Draußen scheint die Sonne ... "Und dann hast du schwarze Möbel, ach", klagt Hilde. "Du drehst dich um - und da liegt er schon wieder, der Staub. Ich bin manchmal fertig." Was Wunder.

Vierter Merksatz: Ein Bad hat dem Hygienestatus eines OP-Saals zu entsprechen. Toilette geschrubbt ("Da gucken die Gäste gern genauer hin. Und sie sollen ja auch zufrieden sein"), den Anfang der Toilettenpapierrolle zur charakteristischen Nase gefaltet, die Badewanne mit Allzweckreiniger ausgewischt, die Kacheln feucht abgewischt. Fest nachreiben, die Wanne. "Und wenn das dann so schön glänzt, dann denk ich mir: Da geh ich jetzt auch rein ..." Das wär's. Wieso ist es hier eigentlich so warm, obwohl - Vorschrift! - doch das Fenster offen steht? Selbst die Fußsohlen brennen, dabei sind wir noch gar nicht fertig. Die frischen Handtücher müssen auf vorgeschriebene Weise angeordnet und gefaltet werden, und natürlich rutscht mir gleich eins vom Wagen auf den Teppich. Shampoo, Duschgel und Bodylotion gefächert aufgereiht, drüber das "Kosmetikset". Zum Schluss, nachdem die Minibar aufgefüllt worden ist, meldet Hilde per Code über das Zimmertelefon dem Housekeeping, dass dieses Zimmer frei und sauber ist. Und ab in die nächsten zwölf ...

Triebgesteuerte Benutzung - oh, oh, oh