Moskau

Es begann alles damit, dass 90 Familien aus mehreren Dörfern im südtschetschenischen Gebiet Wedeno eine Beschwerde in unserem Büro abgaben. Was sie schrieben, war beispiellos: Mehrere Hundert Menschen baten darum, aus dem Süden Tschetscheniens verlegt zu werden - irgendwohin in Russland, so bald wie möglich. Ihre Gründe: ständiger Hunger, unerträgliche Kälte, völlige Isolation von der Außenwelt, fehlende medizinische Versorgung - und vor allem die brutalen Strafaktionen russischer Einheiten gegen ihre Dörfer.

Die Vorwürfe waren so ungeheuerlich, dass sie kaum zu glauben waren. Also mussten sie überprüft werden. Meine Reise begann am 18. Februar. Ich hörte Dutzende haarsträubender Berichte von Leuten, die von den russischen Truppen gefoltert und misshandelt worden waren - so entsetzlich, dass meine Hand auf dem Notizblock erstarrte.