Die Anklageschrift wird vom Vertreter der Staatsanwaltschaft vorgelesen.

Darin heißt es: "Der Staatsanwaltschaft liegen Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass die Partei der Grünen und die Heinrich-Böll-Stiftung die Konferenz organisiert und einberufen haben. Die Partei der Grünen ist nachweislich der islamischen Republik gegenüber feindlich eingestellt, so weit, dass sie auf deren Sturz hinarbeitet. Ziel der Konferenz war, die Herrschaft der Religion zu negieren, die herrschende Gesellschaftsordnung im Iran als brutal darzustellen, das System des Welajate Faghieh (Herrschaft der Geistlichkeit - d. Red.) zu beseitigen und die Feindschaft der Gegner des Systems legitim erscheinen zu lassen. Die Redebeiträge der Referenten auf dieser Konferenz waren gegen unsere Gesellschaftsordnung gerichtet. In diesen Beiträgen wurden die Heiligtümer des Islam beleidigt und die Werte der Religion diskreditiert. Die Redner wurden vom Publikum durch unwürdige Parolen, die gegen die islamische Ordnung gerichtet waren, bestätigt."

Bezüglich der drei Angeklagten sagt der Staatsanwalt: "Sie sind angeklagt, weil sie durch ihre Teilnahme an der Berliner Konferenz gegen die nationale Sicherheit des Irans aktiv gewesen waren. Sie haben in Zusammenarbeit mit den Feinden der Islamischen Republik, mit feindlichen Gruppen wie den Volksfedajin und Volksmudschahidin das Ziel verfolgt, die islamische Ordnung zu stürzen und sie als eine brutale Macht darzustellen, die auf Gewalt, Unterdrückung und Zensur beruht." Der Staatsanwalt fordert unter Hinweis auf die Paragraphen 498 und 500 des islamischen Strafgesetzbuchs für die drei Angeklagten eine entsprechende Strafe.

Zwei der Angeklagten erbitten mehr Zeit zur Stellungnahme, was der Richter gewährt. Der dritte Angeklagte, Alireza Alavitabar, sagt: "Ich weise sämtliche hier vorgebrachten Anklagepunkte zurück. Das Bild, das hier von der Konferenz entworfen wurde, entspricht nicht den Tatsachen, und die Aussagen über die Teilnehmer sind unzutreffend. Die Partei der Grünen vertritt einen Teil der Bevölkerung in Deutschland. Ein Mitglied dieser Partei hat als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland den Iran besucht. Er ist hier von offiziellen Amtsträgern begrüßt und herzlich empfangen worden. Im Zuge dieser Reise wurden einige Personen nach Deutschland eingeladen. Wir haben diese Einladung angenommen. Die Personen, die mich zu der Konferenz eingeladen haben, waren mir unbekannt. Nachforschungen schienen mir unnötig.

Die Konferenz wurde durch eine Gruppe von etwa sechzig Mitgliedern der Kommunistischen Arbeiterpartei, die sich von der Kommuleh (einer kommunistischen Gruppe im iranischen Kurdistan - d. Red.) gespalten hat, gestört. Die Mitglieder dieser Gruppe sind sehr aggressiv, sie fordern den Sturz des islamischen Staates."

Der Gerichtsvorsitzende fordert Alavitabar auf, zu dem Vorwurf Stellung zu nehmen, bei der Konferenz gegen die staatliche Ordnung der Islamischen Republik polemisiert zu haben.

Alavitabar antwortet: "Ich bin keineswegs der Meinung, dass der gesamte Staat der Islamischen Republik undemokratisch ist. Allerdings gibt es über die Methoden des Regierens Differenzen. Ich habe bei der Konferenz weder gegen die Ordnung der Islamischen Republik Stellung genommen noch gegen den Staat polemisiert."