Fußball ist an sich ein schönes Spiel. Das sei von einem, der mit Fußball Bekanntschaft machte zu Zeiten, als der krumme Scheidt auf Linksaußen des Sonntags vormittags säbelbeinig die Seitenlinien in den Ruhrwiesen entlangwetzte im Kampf für Spvg Steele 11 gegen BV 03, hier einfach mal kühn behauptet. Der krumme Scheidt war ein Held unter seinesgleichen, ein Idol, man spendierte ihm gern ein Bier in der Vereinskneipe, aber kein Gedanke an Transfer zum BV 03 raubte ihm je den Schlaf, keine Zeitlupe verewigte seinen Einsatz, kein Reporter forderte ihm je ein Statement ab. Man fragt sich heute, ob das damals überhaupt Fußball war.

Es war! Die Spur lässt sich zurückverfolgen, mag inzwischen auch Stand der Erkenntnis sein, dass Fußball auf dieser Welt nicht ist, wenn nicht im Fernsehen. Nun ist unbestreitbar auch Fußball im Fernsehen an sich ein schönes Spiel. Weshalb die Leute diesen Sport lieben, viele an ihm hängen mit Leib und Seele und manche mit Klauen und Zähnen. Was uns steilpassgleich auf den Eklat bringt, zum Thema der Schlagzeilen dieser Tage. Da hat sich, Herr des Himmels und des Äthers, im jüngsten Schlagabtausch doch wer erdreistet, dem Fußball das Nationaltrikot aus der öffentlichrechtlichen Hose zu reißen.

Ein Unglück? Eine Schande? Ein Kulturschock? Lassen wir den Kirch im Dorf.

Die Wahrheit ist: Der Fußball ist sich selber in die Hände gefallen respektive seinen Funktionären, die ihn dem Meistbietenden zuschlugen. Herr Kirch hat, wie es seine Art ist, zugegriffen, herzhaft und, lesen wir die Miene seines Stellvertreters Dieter Hahn in der ARD-Diskussionsrunde richtig, in gewisser Weise grimmig amüsiert ob des Eiertanzes der Öffentlich-Rechtlichen, die nicht mithalten wollten und nun dumm dastehen - oder auch nicht, wie man's nimmt. Man wird sehen. Vielleicht hat sich da ja auch einer schwer verkalkuliert. Jedenfalls, die absolute Bestürzung über die Abstinenz von ARD und ZDF in Sachen WM kommt einen nicht an, es sei denn, man hielte es für geboten, nationalen Fußballangelegenheiten die Weihe öffentlich-rechtlichen Fernsehdienstes quasi amtlich zuzusprechen. Das muss aber nicht sein. Jedenfalls im Moment nicht. Im Moment stellen sich die Dinge noch so dar, wie es Rainer Calmund, Manager des Bundesligaklubs Bayer Leverkusen ("ich als absolut Fußballbekloppter"), im Schoße Sabine Christiansens letzten Sonntag mit Blick auf die Übertragungsmodalitäten der nächsten WM so herzig über die Lippen brachte: "Alles krieg ich über die Röhre rein, auch ohne Groschen in die Box zu schmeißen. Dann bin ich wunderbar versorgt, und dann ist mir ganz egal, wie die Herren hier verhandelt haben. Hauptsache, dat Ding läuft ab." Noch Fragen?