Der davon abgesehen wichtigste Termin an diesem Tag: ein Treffen mit Bundesfinanzminister Hans Eichel. Ansonsten: Rücksprachen wegen BSE und Planungen zur neuen Agrarpolitik.

Der FREITAG beginnt um 9 Uhr: Wer Akten kennen will, muss sie lesen. Wichtige Entscheidungen setzen voraus, dass man zuvor die richtigen Fragen stellt. Also: Aktenstudium machen und Antworten einholen. Der Vormittag dieses Freitags ist also Gesprächen mit meinen Mitarbeitern im Ministerium vorbehalten. Vielleicht wird ja der eine oder andere Vermerk zu einer lebendigen Geschichte. Was ich nicht schaffe, wird auf dem Weg zum Flughafen erledigt, denn ich muss nach Stuttgart. Ich fliege Linie. Unterwegs mache ich vielleicht ein Fünf-Minuten-Nickerchen. Der Tag wird noch lang, denn am nächsten Tag beginnt die Bundesdelegiertenkonferenz der Bündnisgrünen.

Am SAMSTAG und SONNTAG treffen wir uns jeweils um 10 Uhr. Es gilt, eine Nachfolgerin für mich als Parteivorsitzende zu finden. Claudia Roth soll es werden. Wir werden außerdem über das Grundsatzprogramm der Grünen diskutieren. Wir denken bis übermorgen, also stellen wir folgende Fragen: Wie sollte die Welt 2020 aussehen? Was heißt das heute für Bildungspolitik, Umweltpolitik und andere Bereiche? Ich werde zur Verbraucherschutzpolitik und zum Thema "Neue Landwirtschaft" reden. Am späten Sonntagnachmittag fliege ich nach Berlin zurück, für mich heißt das: nach Hause. Dort liegen auch meine neuen Inline-Skates. Sie sind bedeutend schneller als meine alten. Mit denen werde ich - so es das Wetter zulässt - noch ein paar Runden drehen, denn: Es ist gut für den Rücken, es entspannt mich und der Luftzug schafft klares Denken im mittlerweile überfüllten Kopf.

Am MONTAG bin ich seit genau zwei Monaten im Amt. Ich kann sagen: Der Lerneffekt ist ähnlich intensiv wie in der Zeit vor meinem juristischen Staatsexamen. Um 9.00 Uhr, wie jeden Montag, Lagebesprechung mit meinen engsten Mitarbeitern. Was ist diese Woche zu erledigen? Welche Probleme stehen vor uns? Und: Was schreibt der Spiegel in seiner neuesten Ausgabe? Nach zwei Stunden tut mir mal wieder der Rücken weh, und ich denke an meine Inline-Skates. Doch der Tag ist schon durchgeplant - und hat seine eigene Dynamik.

DIENSTAG Um 10 Uhr findet ein Themenworkshop im Bundespresseamt statt mit Mitgliedern des Journalistinnenbunds. Es geht, wie kann es anders sein, um die brisanten Fragen, die uns zurzeit alle beschäftigen: Müssen Verbraucher eigentlich geschützt werden, oder leitet man sie an, wie sie selber Verantwortung übernehmen können? Wie kann man beim Thema Ernährung Ängste abbauen und Orientierungshilfe schaffen? Wie schafft man eine neue Agrarpolitik, die von den Verbrauchern und den Erzeugern auch aktiv mitgetragen wird? Meine Meinung ist: Die Bauern tragen dabei eine hohe Verantwortung, aber auch eine schwere Last.

Am MITTWOCH tritt um 9.30 Uhr das Bundeskabinett zusammen. Ich sitze zwischen Hertha Däubler-Gmelin und Walter Riester. Ich schenke mir Tee ein. Ich war mal eine große Kaffeetrinkerin, aber Kaffee schlägt ja, wie man weiß, auf Herz und Magen. Ein kleines Schwätzchen rechts und links, und schon eröffnet der Bundeskanzler die Sitzung. Die Themen der Kabinettssitzung habe ich natürlich am Abend zuvor studiert denn - siehe oben - wer nichts weiß, hat auch keine guten Fragen. Und wer nicht die richtigen Fragen hat, bewegt nichts.

Aufgezeichnet von Marc Kayser