In der medienfixierten Ökonomie von heute liefert jeder Tag traurige Beispiele, wie ehrwürdige Konzernlenker - ob in Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder Amerika - Opfer ihres eigenen Images werden. Genau wie Politiker laufen die obersten Vertreter von Industrie- und Finanzunternehmen immer wieder Gefahr, sich in den Augen der Presse und der Medien zu übernehmen. Aus den Stars werden dann plötzlich Versager.

Denn in den dualen Sphären der Macht - Politik und Wirtschaft - gilt dieselbe Devise wie an den Finanzmärkten: Eine übertrieben positive Beurteilung in der Öffentlichkeit wird zwangsläufig früher oder später korrigiert. Dem steilen Aufstieg folgt dann der Absturz. Übermäßige Lobeshymnen in der Presse verwandeln sich in Hohngesang. Auch General-Electric-Chef Jack Welch, der große Mann der amerikanischen Wirtschaft, scheint in letzter Zeit aufgrund der Schwierigkeiten mit der US-Konjunktur und mit der EU-Kommission über seine geplante Übernahme von Honeywell diesem Trend anheimzufallen.

Industriekapitäne dies- und jenseits der Atlantiks sollten stetig die Einsicht eines altehrwürdigen amerikanischen Vorstandes im Kopf behalten: "Man sieht sein eigenes Foto immer zweimal auf der Titelseite des Time Magazine. Einmal, wenn es mit einem nach oben geht, und einmal, wenn es wieder runtergeht."

Was können Konzernlenker tun, um sich vor den Tücken der Medienökonomie zu schützen? Sie sollten, wie so oft im Leben, den goldenen Mittelweg einschlagen. Ein Vorstandsvorsitzender, der krampfhaft versucht, allen Kontakten mit der Presse aus dem Weg zu gehen, kann nicht die Hoffnung hegen, im Fall eines wie immer gearteten Rückschlages das nötige Maß an Rückhalt und Unterstützung in der Öffentlichkeit zu finden. Es gilt, einige praktische Leitfäden für Unternehmer und Manager anzuwenden, die von Bestand sind:

1. Bewahre stets größten Abstand zu überzogenen Huldigungen innerhalb und außerhalb des eigenen Konzerns.

2. Lege dir ein Exemplar von Tom Wolfes Bonfire of the Vanities (Fegefeuer der Eitelkeiten) griffbereit auf den Nachttisch.

3. Nehme nie eine Ehrung zum "Manager des Jahres" oder zu Ähnlichem an.