Der amerikanische Außenminister Colin Powell hat einen bemerkenswerten Gegner: Wenn man ihm hart kommt, wird er härter - und macht man ihm Zugeständnisse, wird er noch härter. Sein Name ist Saddam Hussein, Powells alter Feind aus dem Golfkrieg. Der irakische Diktator zeigte sich Ende Februar mit Militärs und "einer Zahl von Forschern und Technikern der Organisation für Atomenergie". Die Bilder des irakischen Staatsfernsehens hinterließen ein unangenehmes Gefühl. Erst recht ein ARD-Bericht vom 1. März, demzufolge der Irak vor Jahren sogar einen unterirdischen Atomtest zuwege brachte.

Ist der Irak eine heimliche Atommacht? Und wie steht es um die anderen Massenvernichtungsmittel?

Zunächst: Die Grundlage des ARD-Berichts bildet eine Recherche der Londoner Sunday Times, die wenig glaubwürdig ist. Die Quelle des Reporters ist ein geheimnisumwobener irakischer Oppositioneller. Er zeichnete eine Skizze der angeblichen irakischen Bombe, die dem amerikanischen Atomwaffenexperten David Albright die Bemerkung entlockt: "So etwas kann gar nicht funktionieren."

Ärgerlich wird Albright angesichts der Interpretationen, die der Times-Autor einer Satellitenaufnahme angedeihen ließ: "Was dieser Mann für einen Tunnel hält, ist ein ausgetrocknetes Flussbett. Die angebliche Bahnlinie ist eine Straße, die Straßen sind Kamelpfade" - Albright dürfte es wissen, er hat die Gegend mehrfach besucht. Er kennt die kommerziell verfügbaren Satellitenbilder der Region und arbeitet mit Spezialisten zusammen, die solche Aufnahmen bewerten können: "Nichts, gar nichts bestätigt diese Berichte."

Saddams bevorzugte Waffen sind Bio- und Chemiegifte

Wahr bleibt, dass Saddams Ingenieure über nukleares Know-How verfügen. Das spaltbare Material kann das Land zwar nicht selbst herstellen - solche Anlagen ließen sich kaum verstecken -, aber es gäbe Wege, es zu beschaffen.

Illegale Wege, versteht sich, denn China und Russland dürften wenig Interesse daran haben, den Irak im Club der Nuklearstaaten zu begrüßen.