Nun hat die Mär ein Ende, die lange, vom Lied der Nibelungen, der Handschrift C, den 114 schmucklosen Pergamentseiten, die seit fast 200 Jahren das Herzstück der Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen waren. Seit Jahren betrieb der amtierende Fürst Joachim den Ausverkauf dieser einzigartigen Sammlung, weil er Geld brauchte und die Bücher nur welches kosteten (ZEIT Nr. 36/1999). Auch das Nibelungenlied war stets im Angebot, Schätzpreis: um die 25 Millionen Mark. Weil das dem Land Baden-Württemberg viel zu viel war und es zudem dem Fürsten schon zahlreiche Inkunabeln und die komplette Musikaliensammlung für viel Geld abgekauft hatte, blieb das Schicksal der Handschrift jahrelang ungewiss. Als geschütztes Kulturgut durfte sie, anders als ein Großteil der Donaueschinger Bestände, nicht ins Ausland verkauft werden, und hierzulande fand sich kein Interessent mit so dicker Brieftasche. Bis jetzt. Jetzt hat man an vielen Stellen das Geld zusammengekratzt, bei der Landesbank Baden-Württemberg, der Kulturstiftung der Länder, der Bundesregierung und bei Christina Freifrau von Laßberg, einer Nachfahrin des letzten Ritters und ersten Germanisten Joseph von Laßberg, der die Handschrift auf dem Wiener Kongress 1815 für die Donaueschinger Bibliothek erworben hatte. Den Löwenanteil gibt die Bank (wie viel genau, will niemand sagen, auch nicht der Kunsthändler Christoph Graf Douglas, der den Deal für Fürstens abwickelte), weshalb sie nun offiziell Besitzerin des Kleinods ist. Als Dauerleihgabe geht es ans Land, das seine gesamten Donaueschinger Erwerbungen nun "allen wissenschaftlich Interessierten unter optimalen Bedingungen und in einem entsprechenden Sammlungsgefüge" zugänglich machen will. Vom Banktresor in die Bibliothek - ein gutes Ende für das Lied von der Nibelungen Not.