Fastenzeit, stille Zeit. Nachdenklich lauscht das gläubige Volk in diesen Tagen seinen Hirten. Dem Krishnamurti Franzl zum Beispiel, formerly known as Franz Beckenbauer. Auf dem Umweg über die Bunte hat er dem samengeschüttelten Boris Becker geraten, er möge mehr "in sich reinhören". Da sei nämlich "alles drin". Die Welt werde wie von selber gut durch die "innere Revolution jedes Einzelnen".

Das lassen wir jetzt ein Weilchen auf uns wirken. Schließen die Augen. Öffnen das Herz, ganz weit. Wer erscheint da vor unserem geistigen Auge? Exakt, der Geist der frühen Siebziger. Aufgepeitschte Horden zogen damals durch die Straßen, und was skandierten sie in einem fort? Harekrishna, harerama!

Dreißig Jahre lang haben diese Pappnasen Ruhe gegeben. Und nun outen sie sich wieder, einer nach dem anderen. "Ich bin wie Jesus", predigt Pastor Jürgen Fliege dem Fachblatt Funk Uhr. Mit einer kleinen Einschränkung: "Unter dem Talar bin ich immer noch ein Mann." Oder: "Ich bin nicht Gott", verkündet Craig Venter in der FAZ. Aber er arbeitet dran.

Fünf Wochen noch bis Ostern. Wahrscheinlich kommt als nächster Joseph Fischer und stellt klar, er sei nicht der Papst. Allerdings rechne er sich fürs Konklave gute Karten aus. Zlatko peilt den Posten des Bundeskanzlers an. Der jetzige Amtsinhaber, dem Cäsarenwahn verfallen, verspricht, spätestens 2006 mit der deutschen Nationalmannschaft den Weltmeistertitel zu holen. Bruder Thierse erklimmt die höchste Kuppe des Erzgebirges und droht, nicht eher herunterzukommen, bis dass sämtliche Untertanen in Sack und Asche wandeln.

Und so wird das munter weitergehen. Ramarama, harehare!

Die Schlussfolgerung ist bitter. Sie lautet: Unter dem Talar sind wir alle nur kleine Wichte, die sich vor der Erkenntnis fürchten. Was, wenn tief in uns gar nichts ist? Oder lauter peinliches Zeug? Das letzte Wort in dieser Angelegenheit hat wieder mal der Dichter: "In mir ist's nicht geheuer/da schläft ein Zuckerstreuer//Wenn der erwacht/dann Gute Nacht!"