Der Ertrag der Nacht ist unterschiedlich: ein Stempel auf der Hand, ein Abdruck im Kopfkissen. Ein Blick in den Spiegel, der unverzüglich ins Bett zurücktreibt: "Hingestreckt von einer schönen Krankheit, heißt es jetzt noch ruhen, bis die Restvergiftung sich verflüchtigt." Auch eine Art, den Kater danach zu beschreiben, so hin- und hergerissen zwischen Poesie des Herzens und Prosa der Verhältnisse.

Viele haben sich jüngst an Szenen aus dem Nachtleben versucht, elektronisch oder rockinspiriert, bei Britta, der Fünffrauenband aus Berlin, gleicht das Ergebnis einer empfindsamen, gitarrenbegleiteten Inventur. Kollektion Gold (Flittchen Records/Vertrieb: EfA) heißt ihre zweite Platte, Greatest Hits gewissermaßen, doch groß ist die Trefferquote nicht, wenn man mit der befreundeten Boheme um die Häuser zieht. Das Berlin-by-Night-Ding etwa: Von innen fühlt es sich nicht halb so gut an, wie es in den Partymagazinen aussieht. Oder der Kult um den DJ, den Schamanen der neuesten Moderne: aus der Nähe vor allem eine Idee von Jungs für Jungs, ein Heldenlied der Popkultur mehr. "Und du antwortetest so clever und subtil, und mir fiel auf, dass mir so viel missfiel": Britta-Musik bleibt den Mythen des Ausgehens wie männlich-wissendem Szene-Räsonnieren gegenüber skeptisch, weil Alltag und Pappenheimer dahinter zu persönlich bekannt sind.

Seltsam klein erscheint das Treiben in der großen Stadt Berlin, in der man an der Bar wie auf Verabredung immer alle trifft. In toxischen Momenten ist das Feeling "unberührbar toll und süchtig", dann schnurrt die Szenerie wieder auf handgezupfte Empfindungen in einer Wohnung zusammen, die eigentlich zu groß ist, während unablässig nette Bekannte mit netten Anrufen nerven. "Probleme, die andere gern hätten", wie Christiane Rösinger, verantwortlich für die meisten Texte, eines der Stücke überschrieben hat. Britta-Musik weiß, dass das Nachtasyl auch einem Aquarium gleicht, sie ist noch auf der Suche nach einer besseren, solidarischen Boheme. Und findet sie in romantischen Untertönen, die wie von Heinrich Heine entlehnt klingen, volksliedartigen Sentenzen aus dem Poesiealbum der Songkultur.

Dazu passt, dass die Straße der Pariser Kommune, wo Rösinger ihre Ausgehgesellschaft ins Licht des Morgens torkeln lässt, augenreibend und für Sekundenbruchteile glücklich, im Berliner Stadtplan wirklich zu finden ist.

Es gibt kein wahres Nachtleben im falschen, aber manchmal sind wenigstens im Rausch alle gleich.