BSE, Schweinepest, Maul- und Klauenseuche: Um die Gesundheit von Europas Nutztieren ist es momentan nicht gut bestellt. Die Tierseuchen machen selbst aus ehemals überzeugten Fleischfressern Vegetarier. Der menschlichen Form von BSE, der so genannten neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) - laut gängiger Expertenmeinung durch den Verzehr von verseuchtem Rindfleisch übertragen -, sind seit Mitte der neunziger Jahre rund 90 Menschen zum Opfer gefallen. Und Ende vergangenen Jahres ist BSE nun auch auf bis dahin "BSE-freie" Länder übergeschwappt.

Um das volle Ausmaß der vCJK-Epidemie abzuschätzen, aber auch um BSE-befallene Rinder aus dem Verkehr zu ziehen, bevor diese als Wurst oder Schnitzel auf unseren Tellern landen, wäre ein BSE-Frühtest vonnöten, der infizierte Tiere (und Menschen) vor dem Ausbruch der Krankheit aufspürt.

Diesem Ziel sind britische Forscher nun einen Schritt näher gekommen, denn sie haben eine Veränderung in Blutzellen entdeckt, die ausschließlich bei BSE-infizierten, nicht aber bei gesunden Tieren auftritt.

Der Test soll auch menschliche Blutkonserven sicherer machen Seit rund zwei Jahren sind bereits BSE-Schnelltests im Umlauf, mit denen innerhalb der Europäischen Union vom 1. Juli an alle geschlachteten Rinder, die älter als 30 Monate sind, überprüft werden müssen. Die drei von der EU derzeit zugelassenen Tests zielen darauf ab, das infektiöse Eiweiß, das so genannte Prionprotein, in Gehirnproben von befallenen Tieren nachzuweisen.

Daher lassen sich diese Tests - sowie fünf weitere, die zurzeit geprüft werden - lediglich an bereits geschlachteten Tieren anwenden. Außerdem können die Tests BSE frühestens sechs Monate vor den ersten Symptomen aufspüren, eignen sich also kaum zur Früherkennung der Krankheit, die laut Experten während mehrerer Jahre ohne jegliche äußere Anzeichen verläuft.

Das Ziel der Prionenforscher ist daher ein einfacher, schneller Bluttest, ähnlich einem HIV- oder Diabetestest. Ein solcher könnte sich dank neuester Erkenntnisse von Michael Clinton und seinem Team am Roslin Institute in der Nähe von Edinburgh entwickeln lassen. Wie die Forscher in der Märzausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Medicine berichten, konnten sie in experimentell mit Prionen infizierten Mäusen und Hamstern eine Veränderung in den Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen nachweisen.

Im Gegensatz zu gesunden Tieren drosseln diese Zellen in infizierten Nagetieren die Produktion eines Eiweißes namens EDRF, und zwar bereits lange bevor Krankheitssymptome sichtbar werden. Und: An BSE-erkrankten Rindern sowie Schafen, die an einer ähnlichen Krankheit - Scrapie - litten, zeigten sich die gleichen Veränderungen. Ob dies auch bei vCJK-Patienten der Fall ist, sollen künftige Studien zeigen. "In den vergangenen drei Monaten haben wir uns um Blutproben von Patienten bemüht. Jetzt dürfen wir endlich die Untersuchungen durchführen", sagt Clinton.