Auf "acht oder zehn Jahre" möchte Gerhard Schröder seine Amtszeit begrenzen, hat er der Stuttgarter Zeitung verraten. Was insofern eine kleine Neuigkeit enthält, als er bisher deutlich von einer Wiederwahl gesprochen hat, nicht von zweien. Auch so hat der öffentliche Gedanke immer noch den Charme, dem Publikum einen stillen Kontrakt anzubieten: Ihr müsst mich kaum wählen, ihr müsst mich nur bestätigen, ich gehe bald sowieso, weil man "sein Zeitmaß kennen" muss.

Auf die Frage der Illustrierten Max nach dem Zustand der Opposition gestand Schröder: Als seine Partei in der Phase steckte, in der sich heute die CDU befinde, da habe Hans-Jochen Vogel "eine unglaublich wichtige Leistung vollbracht". Mit seinem "Bestehen auf Formen und Verfahren", damals von Schröder bespöttelt, sei er zum "stabilisierenden Faktor für uns" geworden.

Eine Reverenz, eine ganz ernst gemeinte sogar, für Vogel, der kürzlich 75 Jahre alt wurde, urteilssicher und jung wie eh und je.

Locker hat der Kanzler ein "bedauerliches Missverständnis" in einem ZDF-Interview revidiert, zum Ende der Legislaturperiode wolle er die Arbeitslosigkeit "unter drei Millionen" gebracht haben. Der Interviewer habe zwei Zahlen, 3 oder 3,5 Millionen, in die Runde geworfen, und er habe sich festgelegt. Einem alten Zirkusgaul in der Manege kann so was schon mal passieren. Sagt Schröder. Denn, richtig, wenn er das Ziel nicht erreicht, würde er daran gemessen, und das wiederum gefährdete den gewissen Automatismus, den er für seine Wiederwahl programmiert. Oder waren es Wiederwahlen? Acht oder zehn Jahre? 3 oder 3,5 Millionen? Im einen Fall wird's vielleicht mehr, im anderen hoffentlich weniger. Ein bisschen Ungenauigkeit kann im Zweifel nicht schaden.

Gunter Hofmann