Von der großen Bohrplattform auf dem Off-Shore-Ölfeld Takula erscheint Afrika als zitternde dunkelgrüne Linie am östlichen Horizont, dunstig und verschwommen in der Hitze des Tages. Die grüne Linie beschreibt die Küste von Cabinda, einer Enklave, fast 7770 Quadratkilometer groß, die Ende des 15.

Jahrhunderts ein Zentrum des Sklavenhandels war und 1975, als Portugal seine Kolonien in die Unabhängigkeit entließ, der Volksrepublik Angola zugeschlagen wurde. An seiner südlichen Grenze wird Cabinda von Angola durch einen schmalen Landzipfel getrennt, der zur Demokratischen Republik Kongo gehört, und durch den Fluss Kongo selbst. Büschel grüner Lilien, zuweilen ganze Bäume, treiben aus der sumpfigen Flussmündung in Richtung Atlantik und an der Ölplattform Takula vorbei, die auf langen, röhrenförmigen Stahlbeinen in der surrealen Weite des grauen Wassers steht. Hier und da schießen aus Abfackelschloten orangefarbene, schwarz-rußige Flammen in die Luft.

Die Büschel aus dem Dschungel, die stromabwärts treiben und um die Stelzen der riesigen Bohrplattform schwappen, kommen aus einer Welt, die weit entfernt ist vom Geschäft der Ölförderung. Auf der Takula-Plattform absolvieren an die 250 Arbeiter, vor allem Amerikaner, 20 harte Arbeitstage.

Danach werden sie in Hubschraubern zum Flughafen von Cabinda gebracht und von dort nach Luanda geflogen, Angolas Hauptstadt, wo sie herumsitzen und in der Bar des Hotels Continental oder des Méridien südafrikanisches Bier trinken.

Zwanzig Tage später kehren sie zurück zu einer neuen Schicht.

Unterwasser-Pipelines transportieren das Öl von der Plattform zu Schwimmdocks, wo es auf Tanker geladen wird, die in See stechen, ohne jemals Land berührt zu haben.

Über acht Prozent des von den Vereinigten Staaten importierten Öls kommt aus Angola - mehr als aus Kuwait. Die Bohrinseln im Ozean an der Küste vor Cabinda werden von Chevron betrieben. Zyniker nennen die Enklave, die eines der reichsten Ölvorkommen der Welt birgt, "Republik Chevron". Das Öl wurde dort Ende der sechziger Jahre entdeckt, und die Produktion ging auch während der Revolution und der zahlreichen Unruhen, die der Unabhängigkeit 1975 folgten, weiter. Wenn die erst kürzlich entdeckten "ultratiefen" Off-Shore-Lager angezapft werden, wird Angola voraussichtlich das Land mit dem größten Ölvorkommen in Afrika sein - noch vor Nigeria. Schon heute produziert Angola täglich eine Million Barrel Rohöl. In der vergangenen Dekade hat die angolanische Regierung zwischen zwei und drei Milliarden Dollar jährlich aus dem Ölgeschäft eingenommen, das sind rund 90 Prozent des Staatshaushalts (Schwarzzahlungen und Schmiergelder nicht eingerechnet). Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft erlauben der Regierung, jenen langen, teuren Bürgerkrieg zu führen, der Angola in eine Hölle auf Erden verwandelt hat.