In the Mood for Pain? Wer könnte einen Film zu dieser Musik drehen? Drei schmerzensreiche Schönheiten stehen an schauriger Stätte, dem Kreuzeshügel, blicken hinab auf den staubigen Weg, auf dem sich ein Kreuzigungszug nähert.

Die Jungfrau Maria kniet in Verzweiflung nieder, "saht ihr je eine größere Qual als meinen Schmerz", der heilige Johannes beobachtet, wie Jesus unter der Last der Balken zusammenbricht. Wer könnte die Schmerzen, die unerträglichen, in Bilder fließen lassen? Jan Dismas Zelenka jedenfalls hat sie 1735 in Musik gesetzt, in seinem Oratorium Gesù al Calvario - Jesus am Kalvarienberg.

Die Introduktion des Orchesters malt die strauchelnden Schritte des Kreuz tragenden Jesus und die trippelnden Füße des umherspringenden Volkes durch hakenschlagende Sequenzen und eigentümliche Harmonik. Zelenkas eigenwillige Orchestersprache mit seiner ganzen Palette an Affektsymbolik und bildhaftem Ausdruck ist vorbildlich durch die Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert unter der Leitung von Hermann Max (Capriccio 10887/88) in Klang gebracht.

Über Jan Dismas Zelenka und sein Leben wüssten wir gern mehr. Er wurde 1679 in der Nähe Prags geboren und kam 1710 als Kontrabassist nach Dresden. Hier wird er zum Hofkomponisten befördert und verrichtet jahrelang den Dienst seines Chefs Heinichen. Aber als dieser 1729 stirbt, wird Zelenka übergangen, Hasse bekommt die Stelle, und er muss vorlieb nehmen mit dem Titel des "Vizekapellmeisters der Kirchenmusik". Er ist nun eine Art Frühstücksdirektor, schlecht bezahlt, meist ohne Möglichkeit, seine musikalische Fantasie ins Werk zu setzen.

Zeit scheint er gehabt zu haben, man entnimmt es den ausgetüftelten Kontrapunkten (die allesamt hochgradig sangbar sind) ebenso wie der Ausdehnung seiner Sätze. Er wurde zum vergrübelten Sonderling, der mittels Noten-Buchstaben-Kryptogrammen abgründige Botschaften in seine Werke konstruierte, ein menschenscheuer Melancholiker, der über seinen magischen Quadraten brütet wie der grübelnde Engel von Albrecht Dürers Melencolia I.

"Che fiero martire - welch bitteres Leiden einer geängstigten Seele: Verlangen zu sterben, zu sterben vor Schmerzen, und doch leben zu müssen, nur um zu leiden." Jan Dismas al Calvario - Die Passion eines Komponisten.