Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr an der Spitze der Commerzbank. Ende Mai wird Martin Kohlhaussen (65) sein Vorstandsbüro räumen. Zehn Jahre wird er dann für die - nach der Bilanzsumme - fünftgrößte deutsche Bank gearbeitet haben, als Sprecher des Vorstands. Sein Nachfolger Klaus-Peter Müller steht vor einer schwierigen Aufgabe: Im letzten Quartal des vergangenen Jahres machte die Commerzbank Verluste. Die Einnahmen aus dem Provisionsgeschäft gingen zurück - nicht zuletzt wegen der schlechten Stimmung am Kapitalmarkt.

Analysten kritisieren zudem die hohen Kosten durch den Ausbau des Investmentbankings.

Seine Begeisterung für Fusionen vermochte Martin Kohlhaussen stets in engen Grenzen zu halten. Nur einmal - im vergangenen Jahr - wollte auch er sein Haus verbandeln, mit der Dresdner Bank. Vergeblich. Getroffen hat man sich oft im Frankfurter Bankenviertel - gefunden nicht. Deutsche, Dresdner und Commerzbank blieben am Ende gemeinsam einsam. Nur die Münchner HypoVereinsbank fusionierte erfolgreich: mit der österreichischen Bank Austria.

Derzeit umschmeicheln sich Banken und Versicherungen. Jeder will über den anderen an neue Kunden kommen. Die Banken wollen die Kosten für ihr teures Filialnetz drücken, die Versicherer suchen nach zusätzlichen Vertriebswegen.

Zum Beispiel verhandelt die Allianz mit der Deutschen Bank 24. Letztere wiederum spricht angeblich mit der französischen Axa-Versicherungsgruppe.

Die Neuordnung ihres Filialnetzes hat die Commerzbank hinter sich, viele andere Banken nicht. Zuletzt gab die HypoVereinsbank bekannt, dass sie bis zu 165 Geschäftsstellen schließen und rund 800 Arbeitsplätze abbauen will, vor allem im Osten Deutschlands.