Dem Himmel war Shin Chulkyun schon ziemlich nah. Er war dort, wo bei koreanischen Konzernen die Wolken aufhören und die Sonne zu sehen ist. Noch nicht mal 40 Jahre alt und kein einziges graues Haar auf dem Schädel, wurde er in die Ebene direkt unter dem Vorstand befördert, zum Direktor der strategischen Planung beim Mischkonzern Samsung. Er war so weit oben, dass er denen ganz oben Ratschläge geben durfte. Doch dann musste er feststellen, dass es über den Wolken noch ganz schöne Entfernungen gibt. "Selbst bei den besten Ideen musste ich manchmal zwei bis drei Monate auf ein Okay warten", erinnert er sich. "Das hat mich total frustriert." Heute leitet Shin Chulkyun eine kleinere Abteilung bei einer kleineren Firma und "freut sich jeden Morgen aufs Büro". Und Eltern und Ehefrau? Freuen die sich auch?

Aktienoptionen statt Altersversorgung? Eine Sekunde des Schweigens. "Meine Familie überlässt das ganz mir ... Außerdem weiß sie, dass ich bei der Konjunktur jederzeit etwas Adäquates finden könnte".

Musterland Südkorea: Mit eisernem Willen und harter Arbeit hat sich die 46-Millionen-Nation nach der Asienkrise wieder hochgerappelt. Vergessen sind die Zeiten, als Koreanerinnen den Familienschmuck bis hin zum Ehering hergaben, um die Goldreserven des Landes aufzufüllen. Heute, drei Jahre später, sind die Reserven der Nationalbank größer als jemals zuvor. Die Arbeitslosenquote sank im vergangenen Jahr auf vier Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs um über neun Prozent. Die Probleme scheinen überwunden: Mit seinem beeindruckenden Wachstum steht Korea nach Einschätzung der Londoner Denkfabrik Consensus Economis nicht nur besser da als Taiwan, Thailand, Malaysia oder Indonesien. Das Land übertrumpft auch die eigenen Rekorde vor dem Crash. Es erschließt sich die Märkte der Zukunft und befindet sich in einem wahren Gründerfieber.

Die Ökonomen des Weltwährungsfonds müsste dies eigentlich zufrieden stellen.

Doch sie fürchten, dass die Erholung nur kurzfristiger Natur ist. Und dass vor lauter Aufschwung die strukturellen Mängel nicht behoben werden, die das Land ehedem so verwundbar machten.

Dabei hatte Kim Dae Jung, der mitten in den Wirren der Währungskrise zum Präsidenten gewählt wurde, fest versprochen, das Übel bei der Wurzel zu packen. Feierlich gelobte er, die Chaebols, die berüchtigten koreanischen Familienkonglomerate, zu entflechten: Riesen wie Daewoo, Hyundai und Samsung, die vom Handmixer über Kleinwagen bis hin zu Ozeandampfern einfach alles produzierten, sich hoffnungslos verzettelten und dabei die wirtschaftlichen Geschicke des Landes in den Händen greiser Clan-Chefs bündelten.

Von Daewoo bis Hyundai: Die Riesen sind in Not geraten