Sie streiten um die Kleinigkeit von zwei Billionen Euro. Sie diskutieren über die Zukunft der Alterssicherung. Sie wollen den Binnenmarkt stärken und, ganz nebenbei, auch den europäischen Kapitalmarkt. Die geplante Neuregelung für Pensionsfonds in der Europäischen Union gerät zur Wundertüte für jedermann. Ende März werden die Staats- und Regierungschefs beim Gipfeltreffen in Stockholm erstmals begutachten, was in fast zehnjähriger Arbeit zwischen Brüsseler Kommission und Straßburger Parlament heranreifte.

Bis dahin will auch der EU-Kommissar für den Binnenmarkt, Frits Bolkestein, einen Plan vorlegen, wie Pensionsfonds künftig europaweit einheitlich besteuert werden können.

Schnell einigt man sich in Europa zwar nie. Aber eine Voraussetzung für eine gemeinsame Lösung ist gegeben: Alle EU-Mitgliedstaaten sehen die demografische Schere: Die Bevölkerung altert, die Zahl der Erwerbstätigen sinkt - jedenfalls solange höheres Rentenalter und mehr Zuwanderung tabu bleiben und die Erwerbsquote in der EU bei 60 Prozent der Bevölkerung verharrt. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten arbeiten 75 Prozent.

Gerade mal 25 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der Gemeinschaft genießen nach Brüsseler Schätzungen eine betriebliche Altersversorgung. Zwar erreicht dieser Anteil in den Niederlanden oder Dänemark bereits über 80 Prozent, in Österreich und anderen Ländern liegt er aber nahe null. Die betriebliche Altersversorgung, so wünscht es die Kommission, soll künftig "eine wichtige Rolle bei den nationalen Systemen der sozialen Sicherheit, bei der Finanzierung der EU-Wirtschaft und bei der Integration der europäischen Kapitalmärkte" spielen.

Noch stößt sich Kommissar Bolkestein an den antiquierten Verwaltungsregeln für die Pensionsfonds: Nationale Gewohnheiten verstießen gegen das Gebot der Freizügigkeit im Binnenmarkt, moniert er. Und das ist immerhin so alt wie die römischen Verträge der Europäischen Gemeinschaft. Bolkestein strebt allerdings keine radikale Vereinheitlichung an: Welchen Mix zwischen staatlicher Rente und Betriebsrente die Mitgliedsländer wählen, sei deren Sache.

Entscheidende Fragen bleiben erst einmal offen: Wie sollen Aufsicht und Sicherheit europaweiter Fonds gestaltet werden - nach nationalen, also ganz unterschiedlichen Regeln, oder nach einem neuen gemeinschaftlichen Vorsichtsprinzip? Kann ein Arbeitnehmer innerhalb der ganzen EU das günstigste Angebot wählen? Wie wird eine grenzüberschreitende Mitgliedschaft verfasst, damit Arbeitnehmer ihre Ansprüche mit in andere EU-Länder nehmen können?

Wie es derzeit scheint, werden die Regierungschefs beim Gipfeltreffen in Stockholm noch keine endgültigen Antworten finden.