Erst waren sich alle einig, die Unternehmen, die Gewerkschaften und der Staat. Die Älteren sollten ihre Arbeitplätze frei machen, damit die Jungen Jobs bekommen. Jetzt will plötzlich niemand schuld sein, dass die Fähigkeiten der erfahrenen Kräfte brachliegen. Klar ist: Der vorgezogene Ruhestand ist ein Auslaufmodell.

Zwar liegt das offizielle Rentenalter bei 65 Jahren. Doch wer mit 50 einen neuen Arbeitsplatz sucht, wird kaum noch fündig - obwohl er noch 15 Jahre bis zum Ruhestand hat. Dabei beenden Lehrlinge ihre Ausbildung heute erst mit 20, viele Hochschulabsolventen erst mit 30. Zwei, spätestens drei Jahrzehnte danach gehören sie zum alten Eisen. Volkswirtschaftlich ist das Wahnsinn. Die Lebenserwartung steigt immer weiter, die Lebensarbeitszeit schrumpft. Von 20 oder 30 Jahren Arbeit ist kein 80-jähriges Leben zu finanzieren.

Zum Glück zwingt die demografische Entwicklung zum Umdenken. Wenn kaum noch junge Leute nachkommen, haben ältere wieder eine Chance. Schon lamentieren die Arbeitgeber über Arbeitskräftemangel. Sie tun gerade so, als hätte man sie bislang gezwungen, die Mitarbeiter massenhaft in den Vorruhestand zu schicken - auf Kosten des Staates. Und auch die Gewerkschaften, die eben noch die "Rente mit 60" forderten, loben plötzlich die Arbeitskraft der Älteren.

Jetzt sind sich alle einig: Weiterbildung ist wichtig, damit der Arbeitnehmer fit bleibt - und zwar bis zum Eintritt in die Rente. Die Frage ist nur: Wer soll das bezahlen?

Und schon ist es vorbei mit der Einigkeit. Die baden-württembergische IG Metall hat prompt beschlossen, bei den Tarifverhandlungen für den Anspruch auf Qualifizierung zu streiten. Die Arbeitgeber lehnen das ab.

Wieder tritt der Staat in Vorleistung. Die Bundesanstalt für Arbeit wird Firmen mit bis zu 100 Beschäftigten bei der betrieblichen Weiterbildung der Älteren unterstützen. Wer einen Arbeitslosen ab 50 einstellt, darf mit Lohnzuschüssen rechnen. Auch wenn für die Zeit der Weiterbildung eine Vertretung kommt, gibt es Geld. Das ist gut und richtig. Aber es entbindet die Arbeitgeber nicht davon, ihre Leute kontinuierlich auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Wenn ihnen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, müssen sie eben die vorhandenen weiterbilden - anstatt, wie es deutsche Art ist, immer nur nach dem Staat zu rufen.

Das Wichtigste aber ist: Der Denkprozess ist angestoßen, die Qualitäten älterer Mitarbeiter zählen wieder. Der Jugendwahn ist vorbei.