Die süffisante Bemerkung fiel ganz nebenbei. Sie stammt von Rudyard Kipling, dem Autor des Dschungelbuches. Der Nobelpreisträger von 1907, dem die Kolonialherrschaft noch als Erziehungsmission des weißen Mannes galt, mokierte sich in The Light That Failed: "Da wir gerade vom Krieg reden, im Frühling wird es Unruhen auf dem Balkan geben."

Wir sind wieder so weit. Oder besser: noch immer nicht weiter. Die Mission gegen die serbischen Menschenrechtsverletzungen und ethnischen Säuberungen, zu der sich die westliche Gemeinschaft vor zwei Jahren ermächtigte, hat ein trauriges Jubiläum. Gestochen scharf zeigt sich in diesen Tagen: Die Lufteinsätze gegen Jugoslawien, die am 24. März 1999 begannen und von vielen Staaten unterstützt wurden, obwohl sie Verbotszonen der UN-Charta, des Nato-Vertrages und des deutschen Grundgesetzes verletzten, haben ihre politischen Ziele verfehlt.

Der damalige Verbündete des Westens, die Befreiungsarmee der Kosovo-Albaner, setzt die Taten der Milosevic-Milizen fort. Die UÇK erweist sich als mörderische Hydra: Trotz ihrer offiziellen Entwaffnung und Auflösung nach Ende des Krieges im Juni 1999 wachsen ihr immer neue Köpfe nach: Bandenköpfe, Sprengköpfe, Brückenköpfe. Ihre Todesschwadronen massakrieren im Kosovo wehrlose Serben und Roma, jagen aus dem Hinterhalt Busse mit Frauen und Kindern in die Luft. Ihre Terroristen, die sich als Freiheitskämpfer aufplustern, fallen in Südserbien und Westmazedonien ein.

Der Westen ist betreten. Deutschen Ministern, die während der serbischen Bürgerkriegsverbrechen warnten, dass sich Auschwitz nie wiederholen dürfe, fehlen die Worte. Sie hatten, wie viele andere auch, dem Einsatz ja nur mit größten Bedenken zugestimmt. Die furchtbaren Verbrechen im Bosnienkrieg, die dort geplanten Massenmorde, denen der Westen verstört, gelähmt, uneins zugesehen hatte, durften sich nicht wiederholen. Milosevic musste endlich das Kriegshandwerk gelegt werden.

Das immerhin ist geschehen und gilt den Befürwortern der Nato-Mission jetzt als entscheidender Erfolg. Das amerikanische Außenministerium hat den Sturz des Belgrader Diktators an die Spitze seiner alljährlichen Liste über die Verwirklichung der Menschenrechte gestellt: als größten Triumph des Jahres 2000.

Die tragische Kehrseite dieser Medaille zeigt aber leider, dass der Sturz von Milosevic die Menschenrechtsverletzungen nicht beendet, sondern neu entfacht.

Sie wollen ihren alten Diktator wiederhaben - nicht die Serben, aber die albanischen Extremisten. Im Schatten von Milosevic waren ihr großalbanischer Irredentismus und ihre narkomanischen Geschäfte besser geschützt. Dank seiner Untaten konnten sie auf westliche Zugeständnisse, auf wachsende Souveränität hoffen.