Als ich vor ein paar Jahren auf einem Fluss in Borneo landeinwärts fuhr, bot sich mir ein typisches Bild: Am verlassenen Ufer lag ein Einbaum, ausgerüstet mit Paddeln und einem Proviantpaket. Es war von Dajak für den Nächsten zurückgelassen worden, der ein Boot brauchen würde, ganz gleich, ob Fremder oder Freund. Vom Benutzer wurde erwartet, dass er es nach Gebrauch an einem ähnlichen, gut sichtbaren Ort am Fluss hinterlasse.

Am Ende meiner Reise kehrte ich mit einem anderen Schiff nach Hause zurück.

Es war nur dreißig Zentimeter lang, und seine Besatzung bestand aus kleinen, nach vorne starrenden, hölzernen Tierfiguren, mit winzigen Macheten, Speeren und Gewehren bewaffnet. Das Boot und seine magische Mannschaft sollten den Schlaf eines Kindes schützen und es vor bösen Träumen bewahren. Jetzt steht es in dem Zimmer, in dem ich schreibe. Wenn ich es ansehe, erinnert es mich an ein gütiges und großzügiges Volk.

In den vergangenen drei Wochen sah die Welt zu, wie sich in Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo, ein Blutbad ereignete. Mit Macheten und Speeren bewaffnete Dajak ermordeten mehr als 500 zugewanderte Maduresen.

Zehntausende der maduresischen Siedler flohen in die Wälder, um dem Massaker zu entgehen

einige tausend wurden auf Dampfer vor der Küste verfrachtet.

Dajak haben Straßenblockaden errichtet, Maduresen aus Lastwagen und Autos gezerrt, Männer, Frauen und Kinder enthauptet und deren Köpfe triumphierend auf Stöcke aufgespießt. Auch von Kannibalismus wird berichtet. Polizei und Armee waren zu schwach, um die Täter zu entwaffnen und festzunehmen.