Allein von der Rente könnte sich Erika Clausen * keine großen Sprünge erlauben. Vor neun Jahren wurde sie Witwe und musste nun aufs Geld achten.

Immerhin hatten sie und ihr Mann privat vorgesorgt: Sie besaß eine schöne 3-Zimmer-Eigentumswohnung im Hamburger Stadtteil Fuhlsbüttel und sparte so die Miete. Natürlich hätte sie die Immobilie nach dem Tod ihres Mannes einfach verkaufen können, dann wäre sie erst mal befreit gewesen von finanziellen Sorgen. Doch sie wollte die vertraute Umgebung nicht verlassen.

Es fand sich eine Lösung: Vor acht Jahren verkaufte die heute 75-Jährige ihre Wohnung auf Leibrentenbasis.

Die Deutschen werden nicht nur immer älter, sondern haben auch immer häufiger keine direkten Erben. Die Folge: "Wir bekommen regelmäßig Anfragen von Menschen, die entweder keine Kinder haben oder deren Kinder bestens versorgt sind. Was, so fragen sie sich, soll ich mit meinem Haus machen?", berichtet Heide Popp von der Verbraucherzentrale in Niedersachsen. Wie Erika Clausen schrecken die meisten davor zurück, im Alter noch einmal umzuziehen. "Dann müssten sie sich nicht nur an eine andere Wohnung gewöhnen, sondern auch noch die Kaufsumme anlegen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo sie eigentlich kein Risiko mehr eingehen wollen." Am liebsten, so hört Heide Popp immer wieder, würden die älteren Menschen in ihrem Haus wohnen bleiben und trotzdem Geld aus der Immobilie ziehen, um ihre gesetzliche Rente aufzubessern.

Genau das macht ein Verkauf auf Leibrentenbasis möglich. 267 000 Mark war die Wohnung von Erika Clausen wert. 40 000 Mark erhielt sie in bar, zusätzlich vereinbarte sie einen monatlichen Betrag von 556 Mark und das Recht auf lebenslanges mietfreies Wohnen. Für die alte Dame war das die Ideallösung, zumal sie so auch ihre Katze problemlos behalten konnte.

Tausche Acker gegen Rente - ein Deal schon im Mittelalter

Die Frage, wie man sich gegen Armut im Alter absichern kann, beschäftigte die Menschen schon im Mittelalter. Das Gros der Alten war angewiesen auf die freiwillige Unterstützung der Jungen. Als dann individueller Besitz von Grund und Boden möglich wurde, konnten die Alten erstmals den Jungen ein attraktives Tauschgeschäft anbieten: Land gegen die Versorgung bis zum Tode.