Gerade haben wir gelernt, dass das Leben unendlich kompliziert ist: 30 000 Gene, jedes davon in mehreren Varianten ablesbar und alle unter- und miteinander verbandelt. Ein Bauprinzip, in dem Zillionen Möglichkeiten für ungesunde Entgleisungen stecken. Das zermürbt. Also sieht sich der beunruhigte Mensch nach einfacheren Konzepten um. Anstelle von drei Milliarden Erbgutbausteinen tun's ja vielleicht auch vier Blutgruppen.

Im Lebenssaft stecken tatsächlich Botschaften. Die Grundlagen: Menschen mit Blutgruppe A tragen auf ihren Blutkörperchen ganz individuelle Zuckermoleküle. Außerdem schwimmen in ihrem Blut Antikörper gegen Blutkörperchen mit dem Zuckermolekül B. Spendet A Blut an B, machen sich die Antikörper des Empfängers über die Spende von A her und verklumpen diese. Das ist ungesund. Wir lernen: A verträgt sich nicht mit B - und umgekehrt.

Uneigennützig ist hingegen Blutgruppe 0. Die hat gar keinen Zucker auf den Blutzellen und kann daher für fast alle spenden.

Einige Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass zwischen Blutgruppe und psychischer Konstitution Verbindungen existieren. Unter Psychotikern seien die 0ler eher manisch-depressiv und die Aler entweder nur manisch oder nur depressiv. Neun von zehn amerikanischen Indianern litten unter manisch-depressiven Phasen, denn so häufig gehören sie der Blutgruppe 0 an. In Chile haben B-Mädchen angeblich einen niedrigeren und B-Jungen einen höheren IQ als der Durchschnitt. In Johnson City, Tennessee, ist der A-Mann (15 Probanden) offenbar gegen Stress besser gefeit als der 0-Kerl (10 Probanden). Im Schnitt wären also 40 Prozent aller Europäer stressanfällig.

Damit nicht genug. Seit einigen Jahren will uns der amerikanische Naturheilkundler Peter D'Adamo die Sache mit einer Ernährungslehre richtig schmackhaft machen. Sein Rezept: "Vier Blutgruppen - richtig leben" (Piper-Verlag, 39,80 Mark). Zunächst bemüht D'Adamo mit vielen Quellen die oben genannte Wissenschaft. Den typologischen Durchbruch erzielte er aber mittels einer Internet-Befragung. 20 000 Surfer gaben D'Adamo Blutgruppe plus Befindlichkeit an. Er destillierte daraus eine Typologie - und liefert dazu gleich die passende Diät.

Dem ABler empfiehlt die Lehre Pastinakensaft, rät aber von Shiitakepilzen und dem Genuss von Büffeln ab. Für die Aler ist Rotalge gerade noch akzeptabel, der Bler sollte Miesmuscheln meiden und gerne mal "spontan sein". Für 0 gilt: Kabeljau statt Kalmar, Rüben statt Rhabarber.

So viel Klarheit kann Gen-Entschlüssler Craig Venter mit seinen verwirrenden 30 000 Genen nicht bieten.