Nida-Rümelin: Erstens müsste dafür der Palast der Republik verschwinden - über dessen Zukunft ist ja noch nicht entschieden. Zweitens war das Hohenzollernschloss kein Bau aus einem Guss, sondern wies unterschiedliche historische Schichten auf. Vor allem die Bauabschnitte der Renaissance, so sagen es die Fachleute, ließen sich gar nicht originalgetreu rekonstruieren.

Innen und Außen müssen aber in einem sinnvollen Bezug zueinander stehen, damit nicht Kulissen gebaut werden. Auch die Architektur der Gegenwart könnte also eine Antwort auf die Fragen des Schlossplatzes bereithalten. Das wäre durch einen Wettbewerb zu prüfen.

zeit: Gibt es überhaupt einen Symbolbau der Berliner Republik? Das Holocaust-Mahnmal etwa?

Nida-Rümelin: Nein, das hielte ich - trotz der herausragenden Bedeutung, die das Mahnmal hat - für eine Verkürzung der deutschen Identität. Unser Selbstverständnis kann sich nicht allein auf die NS-Zeit beziehen, denn diese bildet zwar eine wesentliche Phase unserer Geschichte, aber nicht die zentrale. Wir haben nicht das Nationalsymbol, sondern zahlreiche Baudenkmäler, in denen sich deutsche Geschichte spiegelt - vom Aachener Dom und dem Hambacher Schloss über die Paulskirche bis zum Ensemble aus Reichstagskuppel und Kanzlerkubus.

Die Fragen stellte Hanno Rauterberg