Der Mann hat eine gewisse Vorgeschichte: Als Late Night-Star David Letterman seine Show noch für NBC machte, gehörte zu seinem Repertoire der Test der Flugfähigkeit von Telefonen und Kühlschränken, die er in hohem Bogen durchs Studio oder einfach aus dem Fenster warf. Dabei vergaß er nie zu erwähnen, dass es sich hierbei um original General-Electric-Modelle handelte.

Dem Konzern gehört nämlich der Sender, und Letterman hat sich regelmäßig über seine Chefs geärgert, die er in der Show gerne "diese zigarrenrauchenden Wiesel in Anzügen" nannte. Nach dem Wechsel zu CBS vor sechs Jahren hatte sich das Verhältnis Lettermans zu seinem Sender etwas entspannt. Doch in den letzten Monaten zeigte sich der Moderator zunehmend davon genervt, die Kandidaten des CBS-Real-Life-Sendung Survivor in seine Show einladen zu müssen. Nun verschärft sich der Ton zwischen Star und Senderspitze. Ursache des Zwists war ein Besuch des CBS-Präsidenten Les Moonves bei Fidel Castro in Havanna. Seitdem verging kaum eine Sendung, in der Letterman seinen Boss nicht als fröhlichen Zechkumpan der obersten Menschenrechtsverletzer dieser Welt darstellte. In einem Interview bemerkte Moonves nun, Letterman sei "oft, aber nicht immer" lustig, und überhaupt sei das Publikum bestimmt der Gags auf seine, Moonves, Kosten müde, denn so bekannt sei er ja gar nicht.

Letterman reagierte umgehend und in gewohnter Manier mit einer Top-Ten-Liste der "Sätze, die man in einem Meeting mit Les Moonves hören könnte". Darunter: "Das erinnert mich an etwas, das mir Saddam Hussein mal beim Wasserski erzählt hat", und: "Auf Fidel Castros Grammy-Party letzte Woche durfte ich einen politischen Gefangenen verprügeln."

Nils Minkmar (offline@zeit.de)