Nur scheinbar flüchtig inspizierte die Kundin auf dem Amsterdamer Flohmarkt den antiquierten Schmöker. Umgerechnet zwei Mark bot sie für das Buch - dem Händler schien das ein angemessener Preis. Dass er vor gut einem Jahr einen Schatz verhökerte, ahnt er nicht. Die Käuferin, eine niederländische Kunstsammlerin, hatte beim Durchblättern einige Skizzen bemerkt, die lose im Buch lagen - offenbar Meisterwerke. Experten bestätigten den Verdacht: Zwei Zeichnungen stammten aus der Feder Rembrandts, eine Skizze aus der eines Rembrandt-Schülers. Geschätzter Gesamtwert: mehr als 90 000 Mark.

Bei einer glücklichen Hand winken auf dem Kunstmarkt fantastische Renditen.

Nur: Wer sie erzielen will, muss sich auskennen. Jedes Werk ist ein Unikat, seine Echtheit oft nur schwer nachzuweisen. Selbst Preise für vergleichbare Werke eines Künstlers schwanken oft um bis zu 300 Prozent. Wie im Mittelalter, klagt mancher Experte, gäben die Akteure wichtige Informationen auf Messen und Auktionen nur mündlich weiter. Dabei ist der Kunstmarkt längst ein Riesengeschäft. Für insgesamt 40 Milliarden Mark, schätzt die Dresdner Bank, kam schöngeistiges Kapital 1999 allein bei den Auktionshäusern unter den Hammer. Der Umsatz von Galerien und Kunsthandlungen dürfte noch darüber gelegen haben.

Ein schönes Geschäft, finden immer mehr Finanzhäuser und entdecken das Art-Banking. Mit eigenen Kunstabteilungen versprechen sie, Kunden durch das Investmentdickicht der Kunstbranche zu schleusen. "Wir nehmen Investoren an die Hand und suchen mit ihnen nach dem passenden Objekt", sagt Christina Schroeter-Herrel, Direktorin der Abteilung Kunstberatung bei der Deutschen Bank Trust. "Wenn es sein muss, auch in Galerien." Erkennt das Personal in den Filialen beim geneigten Sparer Beratungsbedarf, wird er an die Abteilung in der Frankfurter Zentrale weitergereicht. Ihren Slogan Werte wahrnehmen setzen die Art-Banker nach Kräften um: Etwa 300 Mark kostet die Beratungsstunde. Beim Kauf oder Verkauf von Objekten werden zudem Provisionen fällig.

Als eine der ersten Banken gründete die Schweizer UBS Bank eine eigene Kunstabteilung. Vor allem Gutbetuchten eröffnen mittlerweile 17 Berater in Basel und London, welches Bild auch ökonomisch ein viel versprechendes "Rahmtäfeli" ist. Wenig kunstbeflissenen Alpenmillionären nimmt die Bank auch gleich den Kauf und Verkauf von Kunstobjekten ab, um ihnen den Umgang mit "hemdsärmeligen" Geschäftspartnern zu ersparen. "Verträge werden auf dem Kunstmarkt nur selten schriftlich fixiert", klagt Karl Schweizer, Direktor für Art-Banking. Um so wichtiger sei es, die nonchalanten Gepflogenheiten in der Branche zu kennen. Ein wichtiger Teil des Art-Banking sei die Echtheitsprüfung. Schließlich habe sich so mancher Rembrandt schon als Werk eines bedeutungslosen Pinselpiraten entpuppt.

"Geldhäuser sollten sich auf ihre Aufgabe konzentrieren"

Mit Argusaugen beobachten Galerien und Kunsthäuser den Aktionismus der Konkurrenz. "Banken sollten sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren und Sammlungen finanzieren", stichelt der Kölner Galerist Heinz Holtmann. -