Im vergangenen Sommer hatte der Berliner Kultursenator Christoph Stölzl weit reichende Vorschläge zu einer Reform der Berliner Opern gemacht: Deren Kern war die Fusion zweier Häuser, der Westberliner Deutschen Oper und der Staatsoper Unter den Linden. Die Interessenverbände der Musiker, Landes- und Bundespolitik, Teile des Publikums und das allgemeine Berliner Beharrungsvermögen standen dagegen: Diese Reform war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Besser, sie hätte nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Denn die neuen Reformvorschläge, die Stölzl in dieser Woche dem Senat vorgelegt hat, ratifizieren nun bloß noch das Scheitern seines ersten Anlaufs. Von dem radikalen Konzept bleiben ein paar Einzelmaßnahmen übrig, die nicht viel mehr bewirken können, als den Status quo abzusichern: Die Häuser werden in GmbHs umgewandelt und entschuldet, ab 2004 kommt das Land für einen kleinen Teil der Tariferhöhungen auf, ein "Opernrat" unter Vorsitz des Senators soll die Spielpläne koordinieren. Das alles spielt sich ab vor einem zunehmend finsteren Hintergrund: Soeben hat der Finanzsenator eine Haushaltssperre über die Stadt verhängt, um ein weiteres Abgleiten in die Schuldenfalle zu verhindern. So ernst ist also die Lage in der Hauptstadt, dass schon die bloße Aufrechterhaltung des Betriebs als Reform gilt.