Englische Wörter durchsetzen die deutsche Sprache. Kaum ein Werbespruch (Slogan oder Claim), kaum ein Geschäftstreffen (Meeting) kommt ohne die Beschwörung von Future, Results oder einer Sache namens Freedom aus, die man wahrscheinlich nicht mit Freiheit verwechseln soll. Manchmal werden die englischen Ausdrücke falsch verwendet, oft sind sie lächerlich, fast immer unschön. Neu allerdings ist ihre Ausbreitung nicht, und neu ist auch nicht die Empörung, die derzeit bis zum Ruf nach einem Sprachschutzgesetz geht. Neu in der Debatte ist nur die Position, die den Zustrom der Anglizismen rechtfertigt. Das Englische oder Amerikanische, so konnte man in Süddeutscher und FAZ lesen, sei die überlegene Sprache. Das Deutsche, altbacken und kompliziert, bekomme die verdiente Quittung für seine Untauglichkeit, der modernen Welt geeigneten Ausdruck zu verleihen.

Das ist natürlich Unfug

in jeder Sprache lässt sich sagen, was ihre Sprecher sagen möchten. Doch liegt in der Rede von der Überlegenheit des Englischen eine Wahrheit: Es ist aber keine Überlegenheit des Ausdrucks, sondern eine überlegene Ausstrahlung. Niemals würde eine Werbeagentur Amerikanismen verwenden, wenn sie nicht meinte, das Produkt damit für die Kunden attraktiver zu machen. Niemals würden Manager die Charts in ihren Briefings englisch erklären, wenn sie nicht glaubten, damit besser dazustehen oder recht eigentlich erst zum Manager zu werden. Die Sprache Nordamerikas ist die Sprache der letzten Weltmacht und schon damit die natürliche Sprache der Weltmarktkonkurrenz.

In den Anglizismen zeigt sich keine Unterlegenheit des Deutschen, wohl aber ein Unterlegenheitsgefühl der Deutschen. Der Siegeszug des Englischen ist Ausdruck einer zu Recht empfundenen Hegemonie der angelsächsischen Welt. Denn die Worte kommen nicht für sich allein, sie werden stets zusammen mit Produkten und Lebensweisen importiert. Wenn man die Deutschen von Amerikanismen abbringen wollte, müsste man sie auch von der Bewunderung für Amerika abbringen. Das kann kein Gesetz. Anders ausgedrückt: Wenn es für ein solches Gesetz eine Mehrheit gäbe, dann gäbe es das Problem nicht. Wenn die Mehrheit der Sprecher die Verwendung englischer Ausdrücke ablehnte, würden sie im Deutschen niemals heimisch werden. In der Sprache selbst findet ein tägliches Plebiszit statt.

Doch lässt sich auch der Minderheit Trost spenden. Denn das Deutsch, dessen Überfremdung sie fürchtet, ist selbst schon das Ergebnis einer Überfremdung

und zwar nicht nur durch lateinische und französische Wörter. Das Deutsche ist vielmehr bis in die Grammatik lateinisch überformt worden. Der komplizierte Satzbau, die reichen Möglichkeiten der Verschachtelung sind erst im Humanismus durch Nachbildung des Lateinischen entstanden