Neue Koalition, altes Gebrechen: Ariel Scharons "Regierung der nationalen Einheit" zeigt viel Breite, wenig Einheit. Vor fünf Jahren wäre die Koalition von Arbeitspartei (halblinks) und Likud (halbrechts) tatsächlich eine "große" gewesen

heute bringen sie nur 45 von 120 Knesset-Sitzen zusammen. Also mussten die russische Einwanderer (6), die ganz rechte National-Union (8) und die höchst religiöse Schas (17) dazu. Die Arithmetik zeigt, wie labil die Koalition ist

sie kann von links (Arbeitspartei) wie von halbrechts (Schas) aufgerollt werden.

Das heißt: Der alte Blitzkrieger Scharon wird heftig manövrieren und nicht weit kommen, sei's in der Innen- oder Friedenspolitik. Unter dieser Plage litten auch seine Vorgänger, Barak und Netanjahu. Der Grund ist so simpel wie das neue israelische Wahlrecht kompliziert. Vor 1996 konnten die Israelis einen Premier nur indirekt wählen, indem sie dessen Partei ankreuzten. Das favorisierte die großen. Heute können sie den Premier direkt und bei der Knesset-Kür ihre liebste Splitterpartei wählen. Folge: ein so kleines Land - und so viele Fraktionen, nämlich 18.

Was Wunder, dass die geschrumpften Großkoalitionäre alsgleich die Volkswahl des Premiers abschaffen wollen. Doch will der Schas-Partner, der Profiteur des dualen Systems, just das torpedieren. Kriegsheld Scharon, genannt "Der Bulldozer", wird sich also genauso schnell im Parlamentsgestrüpp verfangen wie Exgeneral Barak. Ein weiser Mann, dieser Barak: Er hat den Ministerposten gar nicht erst angenommen. jj