Ein Spiel dauert 90 Minuten. Wenige Minuten später ist es die tristeste Fernsehware der Welt: alter Sport. VHS-Kassetten von alten Fußballspielen sind genau der Kram, der bei jedem Umzug die Müllsäcke füllt.

Von dieser schnell verderblichen Ware haben die öffentlich-rechtlichen Sender jetzt, zu einem Minutenpreis, der für die WM 2006 um die 200 000 DM liegen soll, bei Leo Kirch sehr sehr viel eingekauft. Was nun als "Sieg der Vernunft" gefeiert wird, ist genau das Gegenteil. Der Deal mit Kirch ist die größte, lustvollste Verfeuerung von Gebührengeldern in der Geschichte der Bundesrepublik. Warum auch nicht? Ebenso wie der Fußball von einem Sport für ernst dreinblickende Asketen zu einem internationalen, schichten- und geschlechterübergreifend gefeierten Entertainment-Event geworden ist, in dem sich Vereine, Sponsoren und Konsumenten mit wachsendem Vergnügen die Millionen hin- und herschieben, ist auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen endlich zu einer genuinen, großzügigen Wahnsinnsveranstaltung geworden.

Die Herren Stolte, Pleitgen, Voß und Scharf sind, ihrer äußeren Erscheinung zum Trotz, die geistigen Erben des Herzog de Noailles, der im Paris der späten Zwanziger die Surrealisten mit Bargeld für ihre sinnfreien, aber irre amüsanten Aktionen und Happenings versorgte. mink