Wie aus dem Nichts sind die drei Bösewichte vor dem Schlossgemäuer aufgetaucht. Nicht Malfoy, Crabbe und Goyle, die ewigen Gegenspieler des Zauberlehrlings Harry Potter aus Joanne K. Rowlings so überaus erfolgreichen Jugendromanen: Die Burschen tragen keine Zaubererumhänge, sondern business suits. Das Schloss ist auch nicht wirklich das Magierinternat Hogwarts, sondern aus Pappmaché - ein Verlagsstand auf der Nürnberger Spielwarenmesse.

Die drei Herren in der undankbaren Rolle der Übelmänner sind Repräsentanten von Warner Bros., dem großen amerikanischen Unterhaltungskonzern. Sie haben hier auf der Messe mächtig zu tun.

Die Spielzeugbranche jiepert auf den Harry-Potter-Boom. Rund 60 Millionen Exemplare hat die schottische Autorin Rowling von den ersten vier Bänden weltweit verkauft - ein Bucherfolg ohnegleichen. Jetzt rollt die zweite Verwertungswelle an, das Merchandising. Weil der Pokémon-Boom auf dem Spielzeugmarkt allmählich abebbt, soll nun Harry Potter für Umsatz sorgen - auf Kaffeebechern, Schulranzen, T-Shirts oder als Kartenspiel. Doch der big player Warner Bros. will möglichst viel von dem Segen auf die eigenen Mühlen lenken. Der Disney-Konkurrent aus Kalifornien hat 1998 für einen ungenannten Betrag die globalen Rechte an der Marke Harry Potter erworben - die Buchrechte allerdings hatte Joanne K. Rowling da schon an Verlage in 115 Ländern vergeben. Deswegen sind als Buchillustrationen an die dreißig unterschiedliche Bilder von Harry Potter in der Welt.

Und weil die Story so stark ist, haben Tausende junger Fans im Internet Potter-Homepages eingerichtet. All das läuft den Interessen von Warner Bros.

zuwider. Der Weltkonzern würde am liebsten alles kassieren, was nicht seiner Vorstellung entspricht. Um Harry Potter ist ein weltweites Kommerzgezerre entbrannt - und sogar die belastbaren Geschäftsleute aus der Spielzeugbranche reden nun vom amerikanischen Kulturimperialismus, der sich so gar nicht mit Joanne K. Rowlings zauberhaften literarischen Intentionen vertrage.

Den Amerikanern kommt der Boom zu früh

Die drei größten Spielzeughersteller der Welt sind über Sublizenzen von Warner ins Potter-Geschäft eingestiegen. In der Zentrale des Baustein-Marktführers Lego im dänischen Billund war schon vor Weihnachten das Hogwarts-Schloss in Plastik zu besichtigen - inklusive Personal. Alle wichtigen Figuren, vom Schulleiter Dumbledore bis zum Wildhüter Hagrid, haben die Dänen in Kunststoffminiaturen liebevoll nachgebildet.