Auf den ersten Blick schien es ausgemacht, dass der Euro weiterhin schwächeln wird und der amerikanische Dollar stark bleibt. Noch im Januar reduzierten Manager von weltweit investierenden Rentenfonds ihre auf Euro lautenden Rentenpapiere. Im Gegenzug erhöhten sie den Anteil der US-Papiere am Fondsvermögen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Münchner Forschungsinstituts Südprojekt unter 18 Investment-Gesellschaften im Auftrag der ZEIT. Für Fondsmanager Andreas Meurer war das ein Zeichen dafür, dass die Mehrheit seiner befragten Kollegen mit einer konjunkturellen Erholung in den USA in der zweiten Jahreshälfte rechnete. Sie vertrauten auf die Wachstumskraft der amerikanischen Wirtschaft und sahen den Dollar gegenüber dem Euro noch auf einem Spitzenrang, meint der Manager des Fonds DekaRent International bei der Deka Kapitalanlage in Frankfurt.

Die Einschätzung vom Januar hat sich geändert. Das damalige Aufstocken der Dollar-Anteile spiegelte noch die Erwartung wider, dass sich die US-Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte schnell erholen werde. Heute sind die Investmentmanager skeptischer. Fondsprofi Meurer hat früh eine defensive Währungsstrategie verfolgt. Er sieht das Risiko, dass die amerikanische Wirtschaft länger schwächelt als ursprünglich erwartet. Vorbei die Euro-Schwäche des vergangenen Jahres, vorbei die Hoffnung auf hohe Renditen von US-Anleihen: Die konjunkturelle Entwicklung lässt derzeit darauf schließen, dass der Euro-Kurs steigt.

"Der Dollar wird an Boden verlieren", stimmt Burkhard Allgeier zu, der Leiter des Rentenfondsmanagement bei Frankfurt Trust. Die aktuellen Nachrichten aus den Vereinigten Staaten deuteten auf einen Verlauf der Konjunkturkurve hin, "der einem stark gedehntem U ähnelt", erklärt er. Dies symbolisiere, dass die US-Wirtschaft sich nur langsam und schleppend erholen könne.

Deshalb wird der Dollar noch lange nicht zu einer Weichwährung. "Davon kann keine Rede sein", sagt Heinz Fesser, Fondsmanager bei der DWS. Selbst wenn die amerikanische Währung sich in Richtung Parität zum Euro bewege, selbst wenn ein Dollar also nur noch einen Euro kosten sollte, bleibt die US-Währung hart. Für Rentenfonds sei sie weiter interessant, heißt es bei DWS - nur eben auf niedrigerem Niveau.

"Für den Euro bedeutet dies eine abgemilderte Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung: Wird der Dollar-Anteil am Fondsvermögen reduziert, steigt der Euro-Anteil", beschreibt Burkhard Allgeier die Aussichten für die Gemeinschaftswährung. Allerdings nicht im Verhältnis eins zu eins: Nachdem seine Position im amerikanischen Dollar im Januar auf etwas über 30 Prozent gestiegen war, plant er neben Euro-Investments nun auch Umschichtungen zugunsten des australischen und des neuseeländischen Dollar. "Diese Währungen haben gegenüber der US-Währung Aufwärtspotenzial", sagt Allgeier.

Während die Fondsmanager ihre Euro- und US-Dollar-Papiere kräftig umschichten, halten sie den Anteil des japanischen Yen nahezu unverändert.

Die japanische Konjunktur steht vor einem abermaligen Einbruch, die extrem hohe Staatsverschuldung Tokyos schreckt Anleger ab. Kein Wunder also: Die festverzinslichen Papiere aus Japan spielen im Anlagekalkül der Fondsmanager wie gehabt eine untergeordnete Rolle.