In nicht einmal einem Jahr haben es die Privatsender geschafft, sich in die Fernsehsteinzeit zurückzusenden. Heute sieht bei ihnen vieles wieder so aus wie vor 15 Jahren: Da werden Staubsauger und Rosenquarzbrocken-Brunnen verkauft, die Nachrichten bestehen aus Naturkatastrophen, Programmhinweisen und Jenny Elvers, Containershows bringen Videoqualität und Inhalte der Offenen Kanäle ins Hauptabendprogramm, abends seifen sich unbekannte Frauen unter der Dusche ein, dazwischen: Quiz.

Es scheint, als bemühe sich das Fernsehen nach Kräften, denen, die immer schon gewusst haben, dass aus der Kiste nichts Gutes kommen und werden kann, Recht zu geben. Es verliert rapide an Vielfalt, Nachhaltigkeit, Relevanz, Originalität - sprich: Qualität. Es ist auf dem gleichen Weg, den das Radio bereits vollendet hat: von ein paar Nischen abgesehen ohne jede inhaltliche Bedeutung, nur noch Werbemaschine, Hintergrundgeräusch, Alltagslärm.

Doch die Lage ist nur fast hoffnungslos. Von den nahe liegenden Kandidaten ist freilich keine Rettung zu erwarten: Die großen Privaten haben festgestellt, dass sie beim Rennen um die höchste Rendite doch nicht auf ein bestes Image angewiesen sind. Die Öffentlich-Rechtlichen setzen lange keine Trends mehr, sondern hecheln denen der Privaten hinterher.

Landesmedienanstalten? Politik? Ach was!

Wer nach Zeichen der Hoffnung sucht, muss in andere, unerwartete Ecken sehen.

Zu den mittleren Privatsendern zum Beispiel. Nicht den ganz kleinen, die ausschließlich Reste verwerten oder Spezialinteressen bedienen. Und nicht den Dickschiffen, bei denen es immer gleich um Millionen geht, Zuschauer und Mark, und entsprechend viel Angst. Nein, die dazwischen, Kabel 1 und Vox zum Beispiel. Vox verdanken wir wenig, aber immerhin Ally McBeal. Solche teuren Serien mit herausragender Qualität, aber ohne Mehrheitsfähigkeit lassen sich in den USA finanzieren, weil der Markt größer ist. In Deutschland lohnt sich nicht einmal die bloße Ausstrahlung für die größeren Sender. Das Publikum ist zwar interessant, aber auf Dauer zu klein. Für einen Sender wie Vox sind die Quoten dagegen inzwischen bestens, der Imagegewinn enorm.

Kabel 1 hat Was bin ich? neu aufgelegt. Das klingt zunächst nicht nach einer Großtat. Aber wenn Moderator Björn Schimpf am Anfang die Zuschauer zu einer Stunde "gepflegter Unterhaltung" begrüßt, hat er Recht. Es folgt das, was das Fernsehen am Besten kann und dennoch selten geworden ist: eine Show, die sich allein auf den Reiz der Konversation und des Spiels verlässt, manchmal geistreich, immer harmlos. Hausmannskost, aber kein Fast Food. Gut zwei Millionen Zuschauer sind für Kabel 1 ein Fest. ProSieben oder RTL müssten mehr holen, die Show ganz anders inszenieren, mit bunten Knalleffekten und Showblöcken. Sat.1 hat das gerade vorgemacht und den Champions Day, der eine nette Wettbewerbssendung hätte sein können, zu einer schillernden Luftblase aufgepumpt. Sie ist geplatzt.