Hallo?" Luisa kräht erwartungsvoll ins Treppenhaus der Hamburger Altbauwohnung. Dass sie eine frisch eingenässte Strumpfhose trägt, stört sie nicht - aber ihre Mutter Tanja Kaller. Beim Umziehen erzählt die Psychologiestudentin, dass die Zweijährige gerade übt, ohne Windel zu leben.

Was aber zwei- bis dreimal am Tag nicht klappt. Besonders ärgerlich, wenn die - gebraucht gekaufte - Waschmaschine kaputt ist. Für ein neues Gerät reichte das Geld nicht. Eigentlich sollte Tanja Kaller gerade mitten in der Organisation des beginnenden Semesters stecken, Vorlesungspläne studieren, sich mit Kommilitonen austauschen. Doch die Tochter geht vor. Tanja Kaller gehört zu den sieben Prozent aller Studenten in Deutschland, die sich für ein Studium mit Kind entschieden haben.

Und wie 16 000 andere studierende Mütter in Deutschland zieht sie ihr Kind alleine groß. Mit 450 Mark Bafög, 270 Mark von Luisas Großvater, 270 Mark Kindergeld, 220 Mark Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt und 291 Mark vom Sozialamt, insgesamt etwa 1500 Mark im Monat, muss die 24-Jährige den Alltag bestreiten. Studierende Eltern, so zeigt die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes von 1998, verfügen im Durchschnitt über rund 1900 Mark monatlich für sich und ihr Kind. Tanja Kaller hatte Glück, wenigstens eine der begehrten Wohnungen des Studentenwerkes für studierende Eltern mieten zu können.

Jobben, Kind und Studium - das ist ein Spagat, den die jungen Eltern nur dann schaffen, wenn sie auf einen Partner oder die Familie zurückgreifen können.

Bei alleinerziehenden Müttern wie Tanja fehlt zum Arbeiten die Zeit. Andere Geldquellen müssen ausgeschöpft werden. Rat geben an den Hochschulen die Studentenwerke, die AStAs und Frauenbüros. Den sollte man am besten schon vor der Geburt einholen, um möglichst viel Geld für sich und das Kind zur Verfügung zu haben. Denn Studieren mit Kind ist eine Wissenschaft für sich: Wer weiß schon, dass die Bafög-Förderungshöchstdauer wegen eines Kindes nur um maximal vier Semester überschritten werden kann? Welcher Student kennt sich mit den Funktionen von Mutter-Kind-Stiftungen oder dem Gültigkeitsbereich von Erziehungsgeld aus? Manche Geldquelle versiegt, bevor sie angezapft werden kann. Studenten beispielsweise sind normalerweise nicht sozialhilfeberechtigt. Das Kind dagegen kann diese Hilfe in Anspruch nehmen.

Und auch in den Genuss der Ausbildungsförderung kommen nur 14 Prozent aller Studenten mit Kind. Schließlich befinden sich viele schon im Zweitstudium.

"Die Seminare suche ich nach Zeitplan aus"