Haben Sie in Ihrer Jugend Nike-Turnschuhe getragen?

Mit Nike und anderen Dingen habe ich mich ausgestattet, als ich noch auf der Highschool war. Meine Art von Rebellion war es, Markenkleidung zu tragen, so viel wie möglich in Einkaufszentren herumzuhängen und damit meine Eltern zu nerven. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum mein Buch No Logo! so erfolgreich ist: dass ich über Marken schreibe, aus einer Perspektive von jemandem, der die Mechanismen ihrer Anziehung versteht. Die beste Kulturkritik stammt meistens von Leuten, die ein Teil dessen waren, was sie kritisieren. Wenn man nachvollziehen kann, warum andere verrückt sind nach dem Zeug, kann man besser darüber schimpfen. Ganz immun gegen diese Objekte bin ich allerdings immer noch nicht.

Sehr gut, dann können Sie sicher allen Ignoranten erklären, warum junge Menschen auf der Auktionswebsite ebay nach Louis-Vuitton-Handtaschen suchen.

Für Teenager sind brands mittlerweile die Hauptquelle ihrer Identität. Die Marke füllt ein Vakuum. Wenn man jung ist, also in einem Alter, in dem man Teil einer Bewegung sein will oder sich abgrenzen möchte, ist man auf der Suche nach sich selbst. Da sind Symbole eine Form der Protektion, ein Schutzpanzer, der das ersetzt, was vor einiger Zeit noch politische, philosophische oder religiöse Ideen waren. Nach dem Motto: Wenn die richtigen Logos auf deinen Kleidungsstücken funkeln, kann dir nichts passieren.

Seit wann verstehen Sie sich als Teil der Protestbewegung, die von Seattle über Prag und Davos gegen die Übermacht der Markenindustrie demonstriert?

Ich beschäftige mich seit mindestens sieben Jahren mit dem Thema. Vor fünf Jahren begann ich mit den Recherchen für mein Buch, weil ich dachte, es könnte wichtig sein. Ich habe auch Artikel verfasst, über Nike, Shell und McDonald's.

Sie sind 1971 in Montreal geboren. Ihr Vater war Arzt und politisch aktiv, Ihre Mutter eine feministische Filmemacherin. Sie selbst studierten in Toronto, waren Chefredakteurin der Campuszeitung, haben dann das Studium abgebrochen und als Journalistin gearbeitet. Hatten Ihre Eltern großen Einfluss auf Sie?

Meine Eltern waren Antivietnamkriegsaktivisten. Sie haben mir beigebracht, dass es normal ist, sich mit Politik zu beschäftigen, einer Arbeit nachzugehen und ein ordentliches Leben hinzulegen. Für meine Generation ist die Idee von politischem Aktivismus etwas Seltsames und überhaupt nicht selbstverständlich.