Patrick Bahners hat entsetzt der Bundestagsdebatte über Jürgen Trittins Laurenz-Meyer-Kommentar zugehört: "Man muss zu altmodischen Wendungen greifen, die aus der Sphäre stammen, in der der Stolz seinen Ort hat, um die verlogene Empörung zu kennzeichnen, die am Freitag zur Schau gestellt wurde: Es war ein schwarzer Tag, eine Stunde der Schande. Freuen konnten sich an der Debatte ohne Sinn und Verstand nur die Mentalitätshistoriker. Während die Redner die Würde des Hauses beschworen, ging ein permanentes Rumoren im Saal um. So sauber ist er selten zu hören, der Urlaut der Selbstgerechtigkeit."

Paul Ingendaay berichtet über den Streit, den die Einwanderungspolitik der Aznar-Regierung in Spanien ausgelöst hat. "Ausgerechnet die katholische Kirche, die der Regierungspolitik ideologisch näher steht als der sozialistischen Opposition und die sich von der Linken regelmäßig Belehrungen zu ihrer Rolle unter dem Franco-Regime anhören muss, diese Kirche attackiert Aznars Volkspartei (PP) mit dem grundsätzlichsten aller Argumente: dass der Mensch so, wie das neue Einwanderungsgesetz es vorsieht, nicht mit dem Menschen umgehen dürfe." Protestiert habe auch Gabriel Garcia Marquez, der in einem scharfen Brief kritisierte, dass Kolumbianer demnächst ein Einreisevisum für Spanien benötigen. Außerdem gab es Demonstrationen Tausender von Einwanderern, schreibt Ingendaay, die ein unschlagbares Argument auf ihren Transparenten trugen: "'Auch Kolumbus hatte keine Papiere.'"

Barbara Hobom beschreibt in einem Artikel die Schwierigkeiten um die Frage, ob man Rinder gegen Maul- und Klauenseuche impfen sollte. Nach der Impfung bilden sich im Tier nämlich Antikörper gegen den Erreger, die nicht zu unterscheiden sind von einer Abwehrreaktion auf eine bereits bestehende Infektion.

Jörg Magenau war auf einem Forum in Leipzig, dass sich der Ost-Literatur widmete und machte dabei folgende kluge Beobachtung: "Dass 'der Osten' nicht zur Sprache komme, konnte man in Leipzig wirklich nicht behaupten. Ob es günstig ist, die Befindlichkeiten des eigenen Landesteils ausschließlich unter den immer gleichen Stellvertretern von Friedrich Schorlemmer bis Daniela Dahn, von Friedrich bis zu Christoph Dieckmann zu klären und dazu als ewigen Quotenwessi Klaus Staeck einzuladen, ist jedoch eher fraglich. Wenn darüber geklagt wird, man komme auf den Podien der Republik, also im Fernsehen, nicht hinreichend zu Wort, dann ist die Massivität, mit der man gerne unter sich bleiben möchte, die komplementäre Kehrseite des Problems - und 'der Osten' erst dann bei sich selbst, wenn er nicht mehr unentwegt über sich sprechen muss."

Weitere Artikel: Heinrich Wefing schreibt über den Schlösserstreit in Berlin und Potsdam. Kerstin Holm würdigt in einem Nachruf den am Samstag in Petersburg gestorbenen Dichter Viktor Kriwulin. Florian Rötzer berichtet von einem Streit in den USA über Kinderpornografie: Es geht um die Frage, ob auch pornografische Darstellungen von virtuellen Kindern im Internet unter Pornografiegesetz fallen. Christian Geyer empört sich über Umweltministerin Ulla Schmidt, die ihre Abteilungsleiterin Ulrike Riedel "durch Stefan Winter ersetzen (will), einen Mann, der sich als Mitglied der Geschäftsführung der Bundesärztekammer bis dato entschieden für die Zulassung der umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID) eingesetzt hatte."

Besprochen werden eine Aufführung von Wolfgang Bauers "Cafe Tamagotchi", ein Konzert der britischen Rockband "Placebo", eine Ausstellung mit Comics von Raymond Pettibon im Wiener Museum für Angewandte Kunst, die Ausstellung "Translated Acts" im Berliner Haus der Kulturen der Welt, eine Ausstellungen mit Fotografien von Anton Corbjin in Düsseldorf und Sachbücher, darunter ein Buch über Sigmund Freuds Krebserkrankung (siehe auch unsere Bücherschau des Tages heute ab 14 Uhr).
 

Süddeutsche Zeitung, 19.3.2001