Am 9. Februar 2001 haben der Hamburger Dokumentarfilmer Benjamin Geissler, sein Vater, der Schriftsteller Christian Geissler, und eine kleine internationale Crew unter mindestens drei verschiedenfarbigen Übermalungen an den Wänden der Vorratskammer einer Villa im ostgalizischen Drohobycz, heute Ukraine, die Bilder von Bruno Schulz wieder gefunden. Es ist eine berühmte Villa, und es ist ein berühmter Dichter, der die Bilder gemalt hat

berühmt geworden sind sie aber durch den SS-Mann, der in dieser Villa gelebt hat und zum Zeitvertreib auf jüdische Passanten zu schießen pflegte. Sein Name ist Felix Landau.

Wenn das heutige Ostgalizien in seiner morbiden Schönheit und seinem malerischen Verfall an Kuba erinnert, so ist Drohobycz zweifelsohne sein Havanna. Die große Epoche der Stadt begann in den achtziger Jahren des 19.

Jahrhunderts, als in der Gegend die größten Erdölvorkommen der Donaumonarchie entdeckt worden waren, und endete 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen.

Heute sind die Quellen ausgeschöpft, Villen und Paläste der Naphthamagnaten heruntergekommen, das Elend der Ukraine fördert nur die Emigration und den Straßenhandel.

Drohobycz wäre zweifellos auch ohne Bruno Schulz und Felix Landau zu Weltruhm gelangt

aber nur in den immer kleiner werdenden Kreisen von Alt-Drohobyczern. Über die ganze Welt sind sie und ihre Nachfahren verstreut.